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Private Bildung und andere Hirngespinste

von koppino

Wieder einmal beschleicht mich ein seltsames Gefühl, wenn ich ältere oder auch neue Artikel zum Thema Studiengebühr lese. Wenn ich dann aber genauer über das Thema nachdenke, kommt mir ein ganz anderer Gedanke. „Die werden doch unsere Bildung nicht privatisieren?“

studiengebuehren_510.jpg

Sofort fange ich an, im Internet zu suchen und finde gleich mehrere Links zum Thema „Studiengebühren“. Mir wird das Ausmaß klar. Für den Staat sind die diversen Universitäten und Fachhochschulen wenig rentabel geworden, er erfüllt zwar seine Aufgabe, indem er Wissen und Bildung jedem zugänglich macht, aber verdienen kann er damit nichts, das ist klar. Nun werden Studiengebühren eingeführt. Das Ganze funktioniert dank Föderalismus sehr dezentral. Das heißt, einige Bundesländer wollen sie einführen, andere nicht und wieder andere erst später.

Dabei befürchten jene Bundesländer, die keine Gebühren erheben wollen, einen totalen Run auf ihre Unis und FHs von Studenten, die sich die Gebühren nicht leisten können. Also erheben sie sicherheitshalber wie die anderen auch Gebühren. Sechzehn Bildungsminister treffen landesherrlich unterschiedliche Entscheidungen, das bietet den Studierenden wenig Chancen die Kräfte zu bündeln, dort wird demonstriert, dann hier, dann wieder da. Aber so richtig funktioniert das alles nicht.

Nachdem eine Art Fond gegründet werden soll, bei dem Anwälte als Verwalter eingeschaltet werden und die Uni Rechnungen vorlegen muss um Geld zu bekommen, gibt es ein heftiges Gewitter. Die Professoren drohen den Studenten mit Exmatrikulation, was dazu führt, dass selbst kritische Studenten den Betrag an die Uni oder FH überweisen, um ihren Platz zu behalten. Die Gebühren sollen angeblich die Kosten der Universitäten decken, also Heizung oder Reparaturen und so weiter. Das ist natürlich ein Argument, zu Beginn.

Lokale Zeitungen wundern sich darüber, dass sich z.B. in Rheinland-Pfalz weniger Studenten einschreiben als zuvor, man wundert sich, aber keiner kommt auf die Studiengebühren als möglichen Grund. Wenn man eine Weile nachdenkt, stellt man schnell fest, dass natürlich wieder jene benachteiligt sind, denen 500 Euro pro Semester plus eventuelle Miete oder andere Kosten einfach zu teuer sind. Sie können so nicht studieren, außer sie würden ein Stipendium erhalten oder jemanden finden, der für sie bezahlt – aber das ist selten.

Man braucht sich nichts vorzumachen, es bleiben diejenigen außen vor, die weniger Geld haben bzw. deren Eltern weniger Geld haben. Nun frage ich mich, was es für weitere Gründe gibt, solche Gebühren zu erheben? Die Unis oder FHs würden plötzlich “rentabel”, das heißt, dass sie sich finanziell tragen bzw. sogar Profite erwirtschaften könnten - zumindest dann, wenn sie privatisiert würden. Eine privatisierte Uni, die mit Sicherheit weiter staatlich gefördert wird plus noch Geld von den Studierenden bekommt, ist rentabel.

Aus meiner Sicht macht der Staat durch die Einführung der Gebühren den Weg zur Privatisierung frei. So ist es möglich, Universitäten zu verkaufen. Als “Unternehmen” müssten sie dann das Recht zur Gebühreneinführung nicht mehr zusätzlich erlangen, das haben andere erledigt. Auch das Anheben solcher Gebühren ist dann für die privaten Universitäten kein Problem mehr, wer eben Medizin studieren will, der soll das auch bezahlen, Wissen ist kostbar und was nichts kostet, na ja, das soll ja angeblich nichts Wert sein.

Gerüchten zufolge ist es auch möglich, die Unis erst mal in Stiftungen umzufunktionieren und sie dann in Teilen zu verkaufen. Interesse dürften die Unternehmen jetzt schon daran haben, denn durch die Gebühren und die Zuschüsse würde eine Universität ein rentables Geschäft. Zudem können die Studenten für die Betriebe „arbeiten“. Das heißt, Themen für Berichte, Studien- und Diplomarbeiten werden von den “Unternehmen” vorgegeben und bringen weitere Vorteile, bestenfalls sogar Geld ein. Schon jetzt werden Studenten, die ihre Diplomarbeiten schreiben, mitunter als billige Arbeitskräften gebraucht. Sie arbeiten Vollzeit mit größtem Engagement und das jeweilige Unternehmen, das den Studenten für einen Hungerlohn beschäftigt, heimst hinterher die Ergebnisse ein.

Vielleicht werden die Unternehmen auch Geld in die Unis stecken, aber wem bringt das dann noch was - einigen Wenigen. Schon jetzt gibt es Kooperationen zwischen Konzernen und Universitäten, doch schon bald könnten Industrie und Hochschule ein Komplex sein. Private Universitäten werden nur von Minderheiten besucht werden, Wissen und Bildung wird nur noch einer Elite vorbehalten bleiben, die bezahlen kann und will. Freiheit der Lehre und Forschung werden immer mehr zu hohlen Phrasen, Hochschulbildung wird noch mehr als bisher an den Interessen der Wirtschaft ausgerichtet.

Es ist fraglich, ob das der politisch richtige Weg ist. Eines jedoch scheint sicher: Das Nachsehen hat wieder einmal der Mensch - in dem Fall der Student.

Quellen
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 11. Juli 2007 von pony_huetchen geschrieben und in die Kategorie Bildung eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von bitter_twisted am 11. Juli um 09:41 Uhr

“Freies Studium” ist Sozialhilfe für Reiche. Alle müssen schuften und Steuern zahlen damit die oberen 10 000 ihre Position ohne Aufwand halten kann.

Zweitens kostet ein “freies Studium” im Durchschnitt das dreifache eines kostenpflichtigen Studiums.

Der Slogan Studieren nur für Reiche ist natürlich Quatsch, jeder mittelmäßige Schüler kann auch kostenpflichtig studieren, er muß nur seine Kosten nach dem Studium zurück zahlen. Das heißt es wird kaum ein Ingeneur oder Artzt oder Rechtsanwalt durch Studiengebühren verhindert, der Unterschied ist nur das Eltern ungelernter Arbeiter nicht zur Kasse gebeten werden das Studium zu zahlen.

Studiengebühren verhindern aber Sozialpädagogen, Genderexperten, Bioethiker, kurz gesagt die ganze Horde Abrufklugscheißer die uns täglich in den Medien präsentiert werden. Darum sind Studiengebühren für unsere Gesellschaft ein großer Segen.

Kommentar von Cosmo am 11. Juli um 11:11 Uhr

@ bitter_twisted

Was für ein Heidenblödsinn.

Vorweg Ärzte und Rechtsanwälte, die in den Medien klugscheißen und nur zu häufig bewußt desinformieren, finde ich zehnmal schlimmer als Sozialpädagogen und Genderexpertinnen.

1. Woher kommt diese kurzsichtige Intellektuellenfeindlichkeit ?

“Alle müssen schuften und Steuern zahlen damit die oberen 10 000 ihre Position ohne Aufwand halten kann.”

Wenn es so einfach wäre, die obersten 10.000 aus ihren Positionen zu verdrängen, mann-o-mann, alle hier wäre dafür. So klappt es aber nicht. Bei der jetzigen Einkommensschere, zahlen die auch dann das bezahlte Studium für ihre Sprösslinge aus der Keksdose.
Alle zahlen für die Universitäten, weil auch alle sie nutzen dürfen. Schade, dass davon so wenige Gebrauch machen. Jede Arbeiterin, jeder Angestellte, ja sogar jeder Hartz4 Empfänger kann sich einen Leseausweis an den Universitätsbibliotheken ausstellen lassen und das KnowHow dort nutzen. JedeR kann sich für so gut wie jedes Seminar als Gasthörer einschreiben, übrigens braucht er dafür nicht mal ein Abitur haben.
Dass leider viele, die am Feierabend noch zwei Stunden Zeit übrig haben, diese Möglichkeit nicht nutzen, sondern sich entscheiden lieber etwas durch CallIn-Shows zu zappen, zerreisst einem das Herz.

2. “Zweitens kostet ein “freies Studium” im Durchschnitt das dreifache eines kostenpflichtigen Studiums.”
Weil die Industrie die restlichen zwei Drittel als Sponoring dazuschießt, und durchgesetzt wird, dass ‘Kritik üben’ und ’selbstständige Recherche’, da man es im Beruf eh nicht braucht, auch in der Hochschulausbildung als ünnötiger Ballast über Bord geworfen wird ?

3. Das Problem bei der ganzen Sache ist auch nicht eine akute Seperation der Reichen in ihren Klüngeln. Das kriegen die auch ohne ‘Allgemeine Studiengebühren’ bereits super hin. Infoge der Kosten für Repitorien und Fachbücher schaffen es schon heute die wenigsten bis zum II. Staatsexamen Medizin/Jura ohne ein gutsituiertes Elternhaus im Rücken.
Das Problem sind die Langzeitfolgen. Du findest doch heute schon in den Gymnasien kaum noch einen Geschichtslehrer, der ein bißchen ‘mehr’ Wahrheit über die Nazi-Herrschaft unterrichtet, an der richtigen Stelle Marx zitieren kann oder sich mit der Frankfurter Schule auskennt. Weil es aus der Perspektive der Verwertungslogik keinen Sinn macht solches Wissen zu vermitteln.
In der Schulbildung schlägt sich das dann erst Jahre später nieder, mit bitteren Folgen.

Ich habe überhaupt kein Problem, wenn du meinst Studierende sollten motivierter sein, allerdings sollte man das durch positive Motivation erzielen, und nicht durch Drohungen.

Rein wirtschaftlich funtionieren ‘Allgemeine Studiengebühren’ für die Bevölkerung genauso wie jede andere Form der Steuererhöhung bzw. Lohnkürzung.

Sie sind ein Stück mehr Ausbeutung.

Kommentar von Mr.Chainsaw am 11. Juli um 11:14 Uhr

Etwas dümmeres habe ich selten gehört, tut mir leid.

Studiengebührenbefürworter sind meist diejenigen, die sowieso keine Probleme bei der Finanzierung haben. So können sie nämlich ihre elitäre Position behalten und müssten später mit weniger Konkurrenz rechnen.

Menschen aus ärmeren verhältnissen denken meist garnicht ans studieren, weil sie lieber sofort Geld für die Familie verdienen wollen oder sogar müssen.
Jedoch wissen diese meist auch nicht, dass sie keine Studiengebühren zahlen müssen (falls arm genug).

Am schlimmsten betroffen sind diejenigen, deren Eltern zwar ein höheres Einkommen oder Besitz haben, aber trotzdem nicht viel Geld zur verfügung, da z.B. verschuldet. Hier werden die Studierenden gezwungen Studiengebühren zu bezahlen, obwohl sie sich diese nicht leisten können.
Jetzt rufen einige vllt. bla Krediete ….!!!
In diesen Zeiten sollte/will wirklich niemand einen Kredit aufnehmen
Die Finanzlage ist mehr als ungewiss, die Wirtschaft wie wir sie kennen steht kurz vor dem Zusammenbruch, anzeichen dafür gibt es genug. (Inflation, Zinsentwicklung, Goldpreis)

Außerdem sind, wie sich nun gezeigt hat alle Argumente die bei der Einführung der Studiengebühren groß herausposaunt wurden quatsch. Von wegen verbesserung der Lehre bla etc. alles eine Heuchlerei sondergleichen.

Kommentar von Mr.Chainsaw am 11. Juli um 11:19 Uhr

Das bezog sich natürlich auch auf den ersten Post.

Was ich noch sagen wollte, in unserer Uni sollte außerdem die Fakultät für Kunst und Musik geschlossen werden, weil sie sich nicht rentiert hat. Und das nach Einführung der Studiengebühren.
Dieser Schritt konnte jedoch durch die Proteste von angagierten Studentinnen/en verhindert werden.
Ein gutes Beispiel dafür, das Proteste etwas bewirken können.

Kommentar von Nanuk am 11. Juli um 11:23 Uhr

http://tinyurl.com/3bvkz7
Das ist was uns in den nächsten zehn Jahren ins Haus steht.
@bitter_twisted
Alles ist nur so lange schön, als es uns nicht angeht.
A.Schopenhauer

Kommentar von Hackwar am 11. Juli um 11:27 Uhr

@bitter_twisted
Das ist ein solcher Schwachsinn, das ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Also, beginnen wir bei den Arbeiterkindern.

Als Arbeiterkind kriegst du Jahre lang eingebläut, das Schulden machen böse ist. Deine Zukunft ist ja nicht so sicher, das du klar sagen könntest, die 10.000 Euro, 20.000 Euro kannst du auf jeden Fall zurück zahlen. Also überlegen sich Kinder aus Arbeiterfamilien es 3 mal, ob sie studieren sollen oder nicht.

Was bedeutet das? Ein großer Teil der Leute, die sehr wohl geistig in der Lage wären, ein Studium auch mit sehr guten Noten abzuschliessen, machen statt dessen eine Ausbildung. Diese Leute werden bevorzugt behandelt auf dem Ausbildungsplatzmarkt, weil ihre Zeugnisse ja so toll sind. Leider schaffen wir es schon seit Jahren nicht mehr, allen Leuten auch einen Ausbildungsplatz zu verpassen. Und dann fallen halt die Leute mit schlechtem Hauptschulabschluss mal eben durchs Raster und du darfst für die Jahrelang Hartz 4 zahlen. 380 Euro pro Monat, mal 12 Monate, macht 4560 Euro pro Jahr, Miete und Beratungskosten noch nicht einberechnet. Aber der Steuerzahler hat ja 500 Euro pro Studi an der Uni gespart…

Okay, also haben sich einige Leute statt für ein Studium, für eine Ausbildung entschieden. Ist doch ihr Ding. Was juckt mich das, ob die jetzt Friseur werden und 1800 Euro verdienen oder ob sie Rechtsanwalt werden und 5000 Euro pro Monat verdienen? Eine schöne Frage. Schonmal was von progressivem Steuersystem gehört? Um es kurz zu machen: Jeder Schüler, der statt Rechtsanwalt wegen Studiengebühren dann doch Friseur o.ä. wird, bedeutet für den Staat einen Steuereinnahmenverlust von min. 500.000 Euro auf das Leben verteilt. Dazu kommen noch die immens höheren Einzahlungen in Renten-, Arbeitslosen-, Krankenversicherungen, etc. pp.

Wir rechnen kurz zusammen:
Ein Hartz 4 Empfänger: 18.240 Euro für 4 Jahre bezogene Leistungen
Ein Schüler, der Friseur statt Rechtsanwalt geworden ist: zwischen 500.000 und 700.000 Euro Steuerausfälle für den Staat
Ersparnis durch Studiengebühren bei einem Studium von 10 Semestern: 5.000 Euro

Wir rechnen zusammen:
+ 5.000
- 19.000
- 500.000
= -514.000

Was ist besser? Der Student, der bereits mit Mitte 30 alles an den Staat zurück gezahlt hat, was er jemals gekostet hat, oder der Auszubildende, der dies irgendwann mit Mitte 50 erreicht?

So könnte man rein marktwirtschaftlich erklären, wieso Studiengebühren unsinn sind. Da sind noch nicht so Sachen wie Humboldtsches Bildungsideal, ungerechtigkeit für andere, Ideal der freien Bildung, etc. mit drin.

Ich werde dafür kämpfen, das deine Kinder auch studieren können und nicht ein System wie in den USA vorherrscht. (Ein echtes Studium kostet dort läppische 150.000 $ für den Studierenden, weshalb die USA schon seit Jahrzehnten gerne aus dem Ausland die Fachkräfte ranholen. Übrigens auch gerne aus Deutschland. Weil die eigene Bevölkerung sich ein solches Studium nicht leisten kann.)

Kommentar von Cosmo am 11. Juli um 11:44 Uhr

Hehe, ihr müsst etwas ’schneller Tippen’ üben ! :-)

Hier nochmal ein Lesetipp, der das Problem ganzgut zusammenfasst, und eine Materialiensammlung, die zeigt, wie und wann dieser Mist schon begonnen hat.

Kommentar von GG am 11. Juli um 12:12 Uhr

@bitter_twisted

wie kann man nur so einen schwachsinn glauben, denn du hier reingestellt hast…dein kommentar ist sowas von lächerlich, dass ich es noch nicht einmal für nötig halte, gegenargument vorzubringen.
Und da werde ich bestimmt nicht der einzige hier sein…

gruss

Kommentar von koppino am 11. Juli um 12:31 Uhr

Studiengebührenbefürworter sind meist diejenigen, die sowieso keine Probleme bei der Finanzierung haben ….

Menschen aus ärmeren Verhältnissen denken meist garnicht ans studieren, ….

Es ist schon verwunderlich. Man sagte mir kürzlich, dass die Stuiengebühren auch deshalb sind, das diese studiererei bis zur Rente aufhört und man nicht 20 Semster hat usw.
Aber das ist nicht so, die, die es sich naja leisten können, die legen Freisemester oder sowas ein, wechseln mehrfach ihren Studiengang oder überschreiten die Regel- und Durchschnittsstudienzeit teilweise um 1 bis 3 Jahre. Das ist kein Problem, das bekomme ich im näheren und weiteren Umfeld mit. Wer knapp bei Kasse ist, der der seine Gebühren, Miete, Essen selber erarbeiten und jobben muß, der ist meist schneller fertig.

Zudem: kann das sein, das Reiche Eltern immer SCHLAUE Kinder haben und Mittelständler und Ärmere DUMME Kinder?
Zwar ist natürlich Intelligenz teilweise auch Sache der Gene, die ersten 3 Jahre in der Kindheit und auch das Kindergartenalter extrem prägend, aber kann das sein? REICH = SCHLAU?
Hat da nicht Papa was dazu gegeben.
In der Ausbildung wurde ein Mädel richtig durch die Ausbildung geschläußt, immer bekamm sie 4, nicht 5. Ewig wunderten wir uns, bis eine, die sie kannte auspackte. Vater schickte den Scheck an die Schule, als Spende getarnt und naja, irgendwie klappt es dann mit der Ausbildung.

PRIVATE BILDUNG!
Wie seht ihr die Gefahren der privatisierung von Bildung und Wissen, wer hat evtl. tiefere Erfahrungen gemacht?

Kommentar von bitter_twisted am 11. Juli um 13:15 Uhr

Ihr Lieben

Danke das ihr meine Haupthese, das das deutsche Bilddungssystem mit Bildung nichts zu tun hat sondern hauptsächlich dazu dient die Bevölkerung zu den Punkt zu veblöden das sie sich einen Polizeistaat, teils mit Terrorbangemache, Teils mit Ökobangemache, bieten lässt, so überzeugend beweist.

Eine Ausbildung ist gewöhnlich ein “Investment.” Man legt Geld und Zeit an damit es einem später besser geht. Wenn der Mehrverdienst den das Studieren bringt nicht die Zurückzahlungen mit normalen Bankzins bringt, war es eine Fehlinvestition.

Ist der Student nicht bereit das Risiko auf sich zu nehmen, ist es für uns all besser das er auf das Studium verzichtet.

Es gibt 4 Modelle des Studium finanzieren: 1.Pappa zahlt, wird am seltensten angewendet bedarf keine weitere Erklärung, 2. Scholarschip, Studium wird durch Stiftung oder Großuntenehmung bezahlt, kommt nur bei selten schlauen Schüler in frage und bedarf auch keine weitere Erkärung, 3.Bursary, der Student lässt sich vom zukünftigen Arbeigeber das Studium zahlen, ist verpflichtet 1 Jahr für jedes Studiumjahr für den Arbeitgeber zu arbeiten, 4.Das häufigste Modell, bei dem das erste Jahr privat finanziert werden muß, denn in den meisten fällen reicht ein guter Schulabschluß nicht aus einen Bankkredit zu bekommen, die meisten scheitern am erten Jahr Studium, darum ist ein bestandenes erstes Jahr überzeugender als ein guter Schulabschluß, auch wenn es knapp bestanden ist. Nicht nur für das Studium, auch für Unterkunft, Bücher unsw. kann man Kredit bekommen wenn das erste Jahr bestanden ist. Die ersten 5 Jahre nach dem Bestehen, wird dann zurück bezahlt.

Kommentar von GG am 11. Juli um 13:53 Uhr

@ bitter_twisted

mein lieber mann,
hört sich ja ganz so an, als wärst du bei einer bank angestellt…

Kommentar von Cosmo am 11. Juli um 14:44 Uhr

@ bitter_twisted

Eins musst du mir mal erklären !

Wieso würde eine Universitätslandschaft, bestehend aus privaten Siemens-, EADS- und Jacobs-Universitäten dazu führen, dass die Bevölkerung …

1. nicht verblödet
2. sich einen Polizeistaat nicht mehr bieten läßt
3. sich von Terrormeldungen nicht mehr bange machen lässt
4. die Propagandalüge der Klima-Kampagne durchschaut

..oO( ??? )

Das kommt mir bei dir leider alles mehr so wie ein Neidding vor.

Okay, folgender Vorschlag ( *Vorsicht Ironie* ):
Die Studierenden zahlen Studiengebühren und fahren weiter mit dem Rad zur Uni, dafür erheben wir im Gegenzug von Erwerbstätigen, die mit dem Auto fahren ‘Straßenabnutzungsgebühren’ und ‘Schmerzensgeld für geplagte Anwohner’. Kämen wir deinem Ziel damit etwas näher ?

Mann, Mann …
Dieses ‘Teile und Herrsche’ und ‘Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte’ geht mir sowas von auf den Keks.

Kommentar von Nemo am 11. Juli um 15:08 Uhr

Eine Ausbildung ist gewöhnlich ein “Investment”.

Das ist sie natürlich gewöhnlich nicht. Die Apologeten eines alle Lebensbereiche umfassenden Kapitalismus möchten uns das vielleicht glauben machen. Aber es gab und gibt Ausbildung natürlich auch völlig unabhängig von der kapitalistischen Denkweise. Und es wird sie immer noch geben, wenn der Kapitalismus längst passe ist.

Der einzelne hat ein Interesse an einer guten Bildung, um seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, um sich entfalten und seine geistigen Ansprüche befriedigen zu können.

Der Staat hat ein Interesse an guter Bildung seiner Bürger, um das Volkswohl zu mehren, den wissenschaftlich-technischen und sozialen Fortschritt und die Entwicklung des Gemeinwohls voranzubringen.

So sollte es eigentlich sein.

Leider reduziert und pervertiert vor allem der neoliberal degenerierte Kapitalismus die Bildungsfrage auf Begriffe der individuellen Existenzsicherung und Renditeoptimierung, beraubt den Menschen seiner ihm eigenen Vielschichtigkeit (die ihn erst zu dem macht, was er ist), möchte ihn (mitsamt seiner Bildung) nur als Wirtschaftsgut betrachten - und entfernt sich damit immer weiter von allen humanistischen Werten.

Kommentar von HeckMc am 11. Juli um 15:16 Uhr

Hallo zusammen,

ich weiss nicht ob jemand schonmal so weit gedacht hat, da ich alle Kommentare aus Zeitmangel nicht lesen kann.

Meiner Meinung nach ist eine Universität alles andere als ein Zuschußgeschäft für den Staat. Unsere Volkswirtschaft kann nur wachsen in dem neue Technologien entwickelt werden die uns von anderen Ländern abheben. In Deutschland wird man einen Duschvorhang nie billiger produzieren können als in China, egal auf wie viel Lohn der Arbeiter verzichtet. D.h. an der Forschung und Entwicklung zu sparen heisst seine Wirtschaft in der Zukunft zu schwächen und dies bedeutet Steuerausfälle, also Kosten für den Staat. Dazu kommt höhere Arbeitslosigkeit usw. usf. . Es müsste also gerade im Sinne eines Staates sein eine hohe Bildung und damit eine gute Forschung und Entwicklung zu haben. Aber gebildete Menschen werde sich schlechter steuern lassen und nehmen z.B. den Mist den Herr Schäuble von sich gibt nicht so einfach hin.

Kommentar von koppino am 11. Juli um 15:54 Uhr

Eine Ausbildung ist gewöhnlich ein “Investment”.

Also? Zusatzausbildungen oder manche Spezialisierung oder sowas, das mag sein, aber eine Ausbildung?

Ich meine, da frage ich mich für was ich STEUERN zahle, wenn ich PKW-Maut zahle, wenn ich die Schulbildung meiner Kinder zahle, wenn ich bald den Krankenhausbesuch besuch bezahle, wenn ich keine Rente bekomme usw.

Dann, lieber STAAT, möchte ich meine Steuern wieder, wenn ich sowieso alles zahlen muß und vom STAAT weder Straßen, noch Bildung (Ausbildung) noch sonst etwas bekomme, dann, dann will ich mein Geld zurück, auf der Stelle!!!!

Für was zahle ich dann Steuern?

Kommentar von zartbitter am 11. Juli um 16:12 Uhr

Tja, das kommt dabei heraus wenn man alles den BWLern und Bertelsmännern überlässt. Wenn jede gesellschaftliche Institution dem Markt überantwortet wird, sollte man sich vorher darüber klarwerden, welchen Weg die Gesammtgesellschaft damit einschlägt. Leistung, Druck und Arbeit für mehr Wirtschaft und für mehr Wachstum als Lebensmaxime. Wertsteigerung als reiner Selbstzweck. Wieso wollen wir sowas?

Kommentar von Mr.Chainsaw am 11. Juli um 16:43 Uhr

Eine Ausbildung ist gewöhnlich ein “Investment”

Da kann ich nemo und koppino nur beipflichten. Für eine ‘gewöhnliche’ Ausbildung bekommt man doch sogar etwas, weil man ja auch Arbeit verrichtet. Tut man bei einem Studium zwar auch, aber man hat für gewöhnlich keine Produktivität.

Deine sogenannte “These” war irgendwie auch nicht auszumachen für mich

Kommentar von koppino am 11. Juli um 19:28 Uhr

Wieso wollen wir sowas?

Ich will das nicht. Dieser ganze Privatisierungs- und Wir-brauchen-mehr-Wettbewerb-Wahnsinn ist absoluter Blödsinn. Es gibt kein endloses ewig steigendes Wachstum!

Man müsste mal einen Bürgerentscheid drüber machen.
Übrigens: Seit dem beginn der Privatisierung steigt ja erst die Arbeitslosenquote. Nur durch die rumfälscherei in den letzten Jahren kann mna den Zahlen aus Nürnberg nicht mehr glauben.

PS: Habt ihr schon mal was vom wirtschaftlichen Aufschwung der zur Zeit in Deutschland stattfinden soll gehört? :-) Da kann man den Studenten doch die Gebühren wieder erlassen.

Kommentar von Fahrenheit am 11. Juli um 20:54 Uhr

Es geht voran - die Privatiserung der Bildung.

In Hamburg gibt es zum Beispiel Kooperativen zwischen Bildungsbehörde und Wirtschaft; zunächst wohl nur freiwillig, aber schon mal reinschnuppern in den Beruf - das in der 5. Klasse.

Als nächstes ist geplant (Die 2. Stufe), das ab der 7. Klasse jeder einen Tag in der Woche in einem Betrieb verbringen soll - als Praktikum getarnt.

Da gibt es nachher auch keine Möglichkeit mehr, dass die Kinder sich ihren Job selber aussuchen können - bis auf wenige Ausnahmen.

Nicht nur Stasi 2.0 ist in (West) Deutschland angekommen, sondern auch PlanWIRTschaft 2.0….

Kommentar von arm am 11. Juli um 22:14 Uhr

Nicht allen, aber vielen Reformern (die Neocons&Freunde) geht es darum - nach dem Vorbild der USA oder auch von Frankreich - Herrschaft und Bevölkerung zu entkoppeln. Studiert doch, aber bitte auf den Billigbänken. Herrschen wird nur die oberste Kaste, die von Kind dahin geführte “Elite”. Es könnte ein gewaltiger Schritt in Richtung zu einem Klassensystem sein, in dem - wie in einer Erbmonarchie - die Machtpositionen an die Kinder der hohen Klasse weitergereicht werden.
Denn ein Mechanismus ist schon heute unübersehbar: Der gesellschaftliche “Erfolg” der Kindern hängst stark von der sozialen Stellung der Eltern ab. Schaut mal auf die Herrscherfamilien in den USA und ihr wisst: Da geht noch mehr……..

Kommentar von lakerz am 11. Juli um 23:15 Uhr

Ich habe ein Frage zu dem Abschnitt mit den Studiengebühren und Rheinland-Pfalz. Die lokalen Zeitungen wundern sich über geringe Einschreibung - du nennst die Studiengebühren als möglichen Grund, aber hier hat es doch noch gar keine? Habe ich da etwas falsch verstanden oder wie war der Abschnitt gemeint?

Kommentar von Fahrenheit am 11. Juli um 23:48 Uhr

Kleiner Tipp - YouTubeVideo: Reinhard Mey - Sei wachsam!

Kommentar von MAWSpitau » Nichts geschieht ohne Grund… Warum ein Studium Geld kostet. am 12. Juli um 11:47 Uhr

[…] nach dem Warum noch nicht geklärt, bzw. gestellt. Einen schönen Artikel habe ich dazu auf dem Politblog.net gelesen, mit dem Titel Private Bildung und andere Hirngespinste. Sehr schöne Denkanstöße zeigen […]

Kommentar von Bagdad Café am 13. Juli um 22:23 Uhr

…und dann noch sowas obendrauf: SZ vom 10.07.2020. Ich wollt’s eigentlich erst nicht einstellen, aber irgendwie muß ich meinen Würgereiz loswerden. Steckt schon drei Tage im Hals fest. Jetzt ist er raus… nimmer lustig, das.

Kommentar von undercoverbuster am 14. Juli um 01:27 Uhr

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, daß der freie Zugang zu Schulen und Universitäten einst als Beleg für die sogeannte “nivellierte Mittelstandsgesellschaft” gegolten hat, mit der angeblich die Ära der Klassengesellschaften abgeschlossen und durch eine “offene Gesellschaft abgelöst worden wäre.
So wurde jedenfalls in den 70er Jahren getönt, als die Studentenrevolte sich entfaltete (die übrigens im wesentlichen von Mittelstandskindern getragen wurde).
Ich bin in meiner Familiengeschichte (unterer Mittelstand) der erste mit abgeschlossenem Hochschulstudium.
Diese Zeiten sollen nach dem Willen unserer “Eliten” wohl vorbei sein.
Die Inthronisierung der Charaktermaske G.W.Bush als US - Präsident ist insofern symbolisch zu verstehen, verdankt dieser Mann seinen Job doch der Tatsache, daß sein Großvater als Dank für willfährige Dienste im Auftrag der Weltkriegstreiber (Thyssen, Ford, Harriman & Co)in Sachen Finanzierung der NSDAP und Wiederaufrüstung der deutschen Wehrmacht in die erlauchten Kreise der “Elite” aufgenommen wurde.
Ich will aber kein düsteres Bedrohungsszenario malen, die Entwicklungen auch und gerade im Zusammenhang mit der Einführung von Studiengebühren zeigt die zunehmende Verkommenheit eben dieser “Eliten”, die sich lediglich noch auf die Perpetuierung ihrer eigenen Herrschaft konzentrieren.
Insofern ist eine Paris Hilton auch eine ideale Symbolfigur eines dekadenten Zeitalters. Nichts an dieser Person ist originell außer ihre Abstammung.
Auf eine Phase der Dekadenz folgt nach historischen Gesetzmäßigkeiten stets a.) eine Welle von Umwälzungen oder b.) Absturz und Niedergang

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