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Jüdische Geldgeber der Brandeis-Universität stoppen ihre Spenden aus Protest gegen Carter-Auftritt

Es war nur eine Frage der Zeit.

Im Rahmen der öffentlichen Diskussion seines Buches “Palestine: Peace Not Apartheid” sprach der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter auch an der überwiegend jüdischen Brandeis-Universität bei Boston.

Während seiner Rede forderte er skeptische Studenten auf, selbst in die von Israel besetzten Gebiete zu reisen, um sich zu selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Engagierte Studenten machten sich daran, eine solche Reise vorzubereiten:



“Nun hat sich ein Kommitee von Studenten daran gemacht, eine solche Reise zu planen. Das größte noch zu überwindende Problem wird logischerweise die Finanzierung der Sache sein. Und hier könnte auch einer der Haken liegen, die die ganze Angelegenheit am Ende irrelevant machen könnten. Denn sollte es durch von etwaigen AIPAC-ähnlichen Finanzierern ausgeübten Druck zu einer gefilterten Sicht auf die Dinge vor Ort kommen, dann wird auch diese Reise den Studenten keinen ausgewogenen Blick auf den Nahostkonflikt verhelfen und im Gegenteil dazu verwendet werden, Carters Beobachtungen anzugreifen. Carters Friedensstiftung jedenfalls haben die Studenten schonmal kategorisch von den Geldgebern ausgeschlossen.

Es bleibt abzuwarten, ob die zu erwartende “Überzeugungsarbeit” der Israellobby diese lobenswerte Initiative zunichte macht. Wenn nicht, dann bin ich sehr auf die Reaktionen der Studenten gespannt. In jedem Fall, und das ist auch das erklärte Ziel von Carter ebenso wie von Demme oder beispielsweise Mearsheimer und Walt, ist eine zunehmend in der Mitte der Gesellschaft geführte Debatte über den Nahostkonflikt und die unbedingte Unterstützung Israels mehr als wünschenswert.”



Die Frage war also, ob die “New York money people”, wie es Wesley Clark formulierte, einmal mehr den Weg zu offener Diskussion des Themas versperren würden oder nicht. Die Frage war, ob die Israellobby Brandeis’ Engagement für mehr Diskussion zum Nahostkonflikt belohnen oder bestrafen würde.

Wie gesagt, es war nur eine Frage der Zeit. Die Jewish Weekly berichtet:


“Wichtige Geldgeber der Brandeis-Universität haben die Hochschule darüber informiert, dass sie ihr als Reaktion auf ihre Entscheidung, letzten Monat den ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter, einen ausgesprochenen Israelkritiker, einzuladen, kein Geld mehr geben werden.

Die Spender haben die Hochschule schriftlich von ihren Entscheidungen unterrichtet - und Carter explizit als den Grund für die Entscheidung genannt. Dies teilte Stuart Eizenstat mit, ein ehemaliger Mitarbeiter Carters und jetziger Kurator der Universität, die eine der wichtigsten jüdischen Bildungsstätten des Landes ist.

Es sind ‘mehr als eine Handvoll’ sagte Eizenstat. ‘Also ist dies natürlich ein Problem. Es ist augenscheinlich eine beträchtliche Anzahl von Spendern, die ihre Beiträge streichen wollen’.

Der in Brandeis lehrende Geschichtsprofessor Jonathan Sarna, der enge Verbindungen zur Hochschulleitung unterhält, sagte der Jewish Week, ‘das waren keine Leute die der Universität 5$ geschickt haben. Es waren wichtige Spender, und wichtige potentielle Spender.

Sarna deutete an, dass er die Identität mindestens einer der Geldgeber kannte, wollte sie aber nicht öffentlich machen. Er sagte nur dass unter denen, die ihre Geberschaft stoppen wollen, ‘einige äußerst wohlhabende Leute’ sind.

Kevin Montgomery, ein Student und Mitglied des Kommitees, das Carter nach Brandeis einlud, berichtete, dass der ’senior vice president for communications’ der Universität ihm eine Woche vor Carters Auftritt gesagt hätte, dass zu diesem Zeitpunkt bereits Spenden in Höhe von 5 Millionen US-$ zurückgezogen worden waren.

(…)

Während (eines) Meetings am 5. Februar erwähnte auch die oberste Spendensammlerin der Universität das brodelnde Problem mit den Geldgebern. Deren E-Mails ‘wollten nicht aufhören. Wir versuchen nur, den Schaden zu reparieren’, so zitierte sie die Hochschulzeitung. ‘Der Nahe Osten ist einfach so ein Auslöser von Emotionen für unsere Alumni und unsere Freunde. Zum größten Teil (sind unsere Geldgeber) jüdisch.”



Und wieder zeigt die Israellobby, dass sie gegen Meinungsfreiheit ist und eine ehrliche und offene Diskussion der Nahostthematik um jeden Preis verhindern will.

Fairerweise muss man ja eine Möglichkeit einräumen: Vielleicht sind diese jüdischen Geldgeber von Brandeis mit ihrer Diskursfeindlichkeit und Keine-Kritik-an-Israel-auch-wenn-Israel-Kritik-gut-tun-würde-Agenda nicht repräsentativ für die Reichen unter Amerikas Juden. Wenn dies der Fall wäre, gäbe es also auch genügend reiche Juden in den USA, die jetzt vortreten würden und sagen, dass sie die Lücke stopfen wollen und Brandeis unterstützen wollen, um das Engagement der Universität für offene Diskussionen und gesunde Kritik zu würdigen. Informiert mich bitte wenn ihr solche Stimmen aus der jüdischen Gemeinde hört, weil die Erfahrung bislang mit der Israellobby lässt nur den gegenteiligen Schluss zu.

Nachdem das Agieren der Israellobby immer offensichtlicher wird, ist die eigentliche Frage wohin das alles führen soll. Ich für meinen Teil hoffe, dass die vielen progressiven Juden und progressiven jüdischen Vereinigungen es schaffen, gegen die traditionelle Israellobby anzukommen und sie gegebenenfalls als angebliche Vertretung aller Juden abzulösen.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 16. Februar 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Thomas am 16. Februar um 10:07 Uhr

War ja irgendwie klar das sowas passieren würde :-(
Bleibt immer noch die Hoffnung das solche Angriffe auf die Meinungsfreiheit den Studenten nicht verborgen bleiben und sie dadurch zum Nachdenken angeregt werden. So langsam müssen ja auch sie erkennen das ihnen etwas vorgemacht wird und das man zu verhindern versucht das sie sich selbst ein Bild von der Wahrheit machen.

Kommentar von NuffRespect am 16. Februar um 10:57 Uhr

Mearsheimer und Walt haben die Macht der Israel-Lobby bereits beschrieben. Sie sind die Einzigen, die über scheinbar grenzlose, finanzielle Ressourcen verfügen. Und diese werden sie stets dafür einsetzen, um das Ziel einer öffentlichen Debatte zu verhindern, koste es was es wolle. Man muß sich immer wieder vor Augen halten, dass diese Geldgeber, sprich die sogenannten “New York Money People”, sich aus den mächtigsten, einflussreichsten, größtenteils jüdischen Finanziers der USA, sowie deren Institute und Stiftungen (AIPAC,AEI,WINEP,MIK etc.), zusammensetzt. Das reicht von der Rockefeller Foundation über Goldman Sachs,J.P. Morgan,FED bis hin zur Weltbank, deren Chef bekanntlich der Oberzionist Wolfowitz ist. Wie diese Individuen und Organisationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Bildung, Medien und Militär miteinander verbandelt sind wurde ja hier des Öfterern verdeutlicht und muß nicht näher erläutert werden. Mit anderen Worten wird es niemals eine andere größere Geldquelle geben. Entweder die Schulen und Universitäten beugen sich dem Druck oder sie verschwinden von der Bildfläche, so einfach ist das. Einzige Möglichkeit aus diesem Dilemma herauszukommen, ist Amerika an seinem wundesten Punkt zu treffen…der Dollar. Eine heftige Wirtschaftskrise, ausgelöst von den weltgrößten Dollarreserve-Besitzern China und Japan, würden der USA den Nährboden nehmen und sie so in die Knie zwingen. Ich sage es zwar ungern, aber je länger die Kriege im nahen und mittleren Osten andauern und je stärker der Widerstand, desto näher kommt man diesem Ziel. Klingt zwar zynisch, ist aber sehr effektiv um die Amis in den Bankrott zu führen.

Kommentar von DaRockwilda am 16. Februar um 11:23 Uhr

@NuffRespect:

Der Gedanke “Russland/China/Indien als Gegenpol zu USA” und vielleicht neuer Weltmacht hat halt den Haken, dass auch die sich irgendwann genauso verhalten können wie die USA. Denn ob die reichen egoistischen und zensierenden Oligarchen jüdisch oder sonstwas ist schenkt sich leider nix.

Will sagen die asiatische Finanzelite ist auch gefährlich.

Kommentar von Ein_Interessierter_Mensch am 16. Februar um 12:18 Uhr

@DaRockwilda da gebe ich dir im Grunde Recht, denn ich meine sobald sich irgendein Land in der Geschichte zur Weltmacht empor gearbeitet hat, nutzt es seinen Status aus, und unterdrückt andere Länder, siehe Cesar, Napoleon, Hitler, usw. Aber meinst du nicht auch, dass nachdem das Gegenpol zur USA Ende der 80er/Anfang der 90er nämlich die Sowjetunion weg ist, es der Welt verdammt nochmal super beschissen geht? Ich meine schau dir mal alleine an wie die Neocons die Welt langsam aber sicher in den Abgrund fahren, Arbeitslosigkeit etc. lässt grüssen. Aber ich will dich und alle anderen an noch einen Vorteil erinnern den ein Gegenpol wie z.B. China erwirken kann: Die USA haben seit 1990 folgende Kriege geführt, die sie nicht so einfach mit Gegenpol hätten fürhen können:
Golfkrieg´91, 2003; Einmarsch in Somalia ´93; Bosnienkrieg´92-96; Kosovo´99-bis heute; Afghanistan 2001- bis heute usw usw…. Ich habe bestimmt einige offene Kriege vergessen, aber in der Auflistung sind auch auch nicht die geheimen Interventionen der USA enthalten. Ich meine, dass sie das nicht so einfach machen konnten, wenn es ein paar andere Weltmächte in der Welt geben würde, denn die UNO hat sich mehrfach als Marionette der USA herausgestellt, sonst hätte sie ja auch die ganzen oben genannten Kriege aufhalten können!!!

Kommentar von DaRockwilda am 16. Februar um 12:34 Uhr

@Interessierter Mensch:

Wir sind uns eigentlich einig, wenn wir zwei Situationen unterscheiden: Zum einen eine einzelne Supermacht bzw. Machtblock (USA-NATO, oder eben RU/CH/IN) im Gegensatz zu einem Gleichgewicht zwischen zwei oder mehreren Machtblöcken. Du hast absolut Recht dass eine Machtbalance gut ist, gerade auch was die von dir beschriebene Führbarkeit von Kriegen angeht. Ich bezog mich mit meinen Bedenken eher auf die langfristige Aussicht, dass der östliche Block nach einem Niedergang der USA die alleinige Macht ist und wiederum unilateral handeln kann.

Kommentar von NuffRespect am 16. Februar um 12:39 Uhr

@DaRockwilda
Natürlich versucht jedes Land seine eigenen Interessen zu schützen und diese auch gegenüber anderen Staaten durchzusetzen. Und es wird immer eine bestimmte Gruppe existieren, die versucht sich diese Interessen zu Nutze zu machen. Ich sage auch nicht das Amerika ihre Macht verlieren soll um sie an andere “reiche und egositische Oligarchen” weiterzugeben. Viel mehr sollte ein Gleichgewicht unter den großen Mächten herrschen. Aber solange die US-Regierung auf aggressive und menschenverachtende Politik setzt, nur um einen illegitimen Staat zu schützen, welcher meines Erachtens mit dem damaligen Nazi-Regime gleichzusetzen ist, bin ich für jede asiatische Alternative offen, denn deren Politik deutet keineswegs auf eine imperialistische Hegemonie hin.

Kommentar von Thomas am 16. Februar um 13:13 Uhr

Ich bezog mich mit meinen Bedenken eher auf die langfristige Aussicht, dass der östliche Block nach einem Niedergang der USA die alleinige Macht ist und wiederum unilateral handeln kann.

Diese Bedenken sind sicher nicht unbegründet.
Allerdings bedeutet ein östlicher Gegenpol nicht automatisch den Niedergang der USA.
Ganz im Gegenteil denke ich das gerade Rußland und China kein Interesse daran hätten die USA wirtschaftlich zu ruinieren. Schließlich pflegen auch sie diverse Geschäftsbeziehungen und halten enorme Mengen an US-Dollar in ihren Reserven.
Allerdings haben beide sich auch mit Gold und Devisen aus anderen Ländern, besonders mit dem Euro eingedeckt. Sollte es also doch zum Eklat mit den USA kommen hätten diese plötzlich echte finanzielle Probleme, wie sich jeder denken kann.
Ich erinnere in dem Zusammenhang daran das z.B. Hussein im Jahre 2000 und vor einiger Zeit auch der Iran die Einführung einer eigenen Oelbörse angekündigt hatten, was bis heute verhindert wurde. Dort sollte der Einkauf von Rohöl auch mit anderen Währungen (Euro, Yen usw.) möglich gemacht werden, was ja bezeichnender Weise bis heute nicht möglich ist. Wäre es dazu gekommen, die USA hätten ein kaum zu lösendes finanzielles Problem bekommen.
Aber das ist ein anderes Thema ;-)

Kommentar von peter s. am 16. Februar um 18:09 Uhr

…von Ein_Interessierter_Mensch am 16. Februar um 12:18 Uhr

da haast du genau den nagel auf den kopf getroffen.

in afghanistan ist die uno flankenbildend mit am krieg beteiligt und schützt so die usa/nato. (ähnlich anderen einsätzen der un-friedens-missionen)

die großdeutschen hilfsfüge der tornados unter dem kommado der uno-friedenstruppen sind offene kampfeinsätze !
es bleibt die hoffnung, das afghanische freiheitskämpfer / partisanen diesen kriegern ein neues vietnam verpaßt.

die mohn-opiumproduktion ist seit dem einmarsch der freien welt um ein vielfaches gestiegen. und damit auch die gewinne um waffen zu kaufen. die frauen, die angeblich befreit werden sollten (die grünen damals zum einsatz d-friedenstruppen) sind immer noch da wo sie vor dem kriegseinsatz waren - unterdrückt ! (außer einige, die sich jetzt parfüm/klamotten aus fr leisten können)

Kommentar von Andreas Friedrich am 16. Februar um 19:09 Uhr

@ peter s. (Zitat): “die großdeutschen hilfsfüge der tornados unter dem kommado der uno-friedenstruppen sind offene kampfeinsätze !
es bleibt die hoffnung, das afghanische freiheitskämpfer / partisanen diesen kriegern ein neues vietnam verpaßt

Hallo Peter,
Korrekt, es sind offene Kampfeinsätze.

Doch genau das (”das afghanische freiheitskämpfer / partisanen diesen kriegern ein neues vietnam verpaßt”) darf nicht geschehen.

Was können die Piloten dieser Tornados für die Dummheit und Unverfrorenheit unserer hohen Damen und Herren im Bundestag sowie in den diversen Ausschüssen, wo derartige Entscheidungen getroffen werden?

Wer etwas verpaßt bekommen muss sind Merkel & Co., auf politischer Ebene- und das sehr bald!
Oder- noch besser- man sollte Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel den ersten Tornado fliegen lassen.

Hat eigentlich einer der hohen PolitikerInnen einen Familienangehörigen in Afghanistan?

Im Bundestag wird über etwas entschieden, von dem unsere Parlamentarier offenbar in der Praxis keine Ahnung haben- und alles nur, weil ein total verpeilter texanischer Cowboy Krieg spielt.

Sind unsere Bundestagsabgeordneten deutsche Volksvertreter oder welches Volk vertreten sie?

Vom moralischen Standpunkt aus gesehen muss man von einem “Armes Deutschland” sprechen!

Kommentar von DaRockwilda am 16. Februar um 20:50 Uhr

@Andreas Friedrich:

“Doch genau das (”das afghanische freiheitskämpfer / partisanen diesen kriegern ein neues vietnam verpaßt”) darf nicht geschehen.

Was können die Piloten dieser Tornados für die Dummheit und Unverfrorenheit unserer hohen Damen und Herren im Bundestag sowie in den diversen Ausschüssen, wo derartige Entscheidungen getroffen werden?”

Also da kann man schon geteilter Meinung sein. Wer einen Tornado fliegt leistet schließlich keinen (Pflicht)Wehrdienst mehr, sondern hat sich irgendwann freiwillig dafür entschieden, im Ernstfall Menschen umzubringen.

Und die Frage ist jetzt, ob es die Pflicht eines Soldaten ist, vor einem Einsatz dessen Legalität und moralische Integrität zu überprüfen. Ich sehe da ein klares Ja. Ehren Watada hat das schließlich auch geschafft, auch wenn natürlich Afghanistan und Irak nich vollständig gleich zu behandeln sind.

Aber was mich angeht gilt die Ausrede “ich hatte meine Befehle” seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Am Liebsten wäre es mir natürlich, wenn die Tornadoleute nicht getötet werden sondern erkennen dass der Krieg falsch ist und umkehren, nach Berlin fliegen und die Zielerfassung auf das Kanzleramt richten. Dann eine Rakete als Warnung vor den Bug knallen und klarmachen, dass dieser Krieg aufhören muss.

Kommentar von Andreas Friedrich am 16. Februar um 21:50 Uhr

@DaRockwilda: Natürlich hast Du recht, wenn es darum geht, den Einsatz vorab moralisch zu überprüfen- keine Frage.

Nur, welcher Soldat, bzw. Pilot macht das schon?
Diese armen Sch… sind ohnehin schon sehr intensiv auf den Einsatz vorbereitet und werden sicher von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt, dass keine Möglichkeit der moralischen Überprüfung besteht.

Hinzu kommt der Gruppenzwang und die Gruppendynamik, in der sich die Piloten wahrscheinlich gegenseitig auf den Einsatz “vorbereiten”.

Es ist leicht zu sagen, dass die Piloten den Einsatz in Afghanistan als falsch ansehen und zurückkehren sollen, nur- wir stecken (zum Glück) nicht in diesem Militärapparat- und wir wissen auch nicht, wie Merkel, Jung & Co. Druck ausüben.

Nichts desto trotz sind wir uns einig, dass der Einsatz falsch ist.
Aber: Wer soll den Anfang machen, diesen Einsatz zu verweigern?

Mir tun die Tornado Piloten leid, dass sie für die Aussenpolitik von Merkel & Co. den Kopf hinhalten müssen.

Kommentar von DaRockwilda am 16. Februar um 21:56 Uhr

“Nur, welcher Soldat, bzw. Pilot macht das schon?”

Ja wahrscheinlich niemand. Ich finde halt dass es eine schwierige Frage ist, inwiefern diese Soldaten trotz Drucks “Schuld” sind. Bin mir ja selbst da nicht sicher mit meinen Werten. Aber der Punkt ist für mich, wenn es einer wie Watada schafft, in einem Land und einer Armee, wo es bestimmt noch schwieriger ist, warum dann keinder der deutschen Soldaten?

Kommentar von jacomo am 17. Februar um 06:19 Uhr

es gibt da ein rein strukturelles problem.
die zeiten haben sich geaendert. und damit vieles andere.
oder auch nicht?

viele meiner generation haben sich bei der bundeswehr genauso aufmuepfig und motzerisch gegeben wie gegenueber der polizei auf der strasse. auch damals hatte alles seine rechte und pflichten.

nur damals waren wir noch nicht durch eine jahrelange einschuechterungs-kampagne gegangen. wir waren uns unserer rechte bewusst, und haben diese auch gerne mal proletenhaft rausgehaengt.
das existiert heute nicht mehr.

damals gab es noch eine bundeswehr, die ihrem namen gerecht war…. wehrdienst….wehren..kein feind in sicht..keine einsaetze.
kein krieg…keinen gedanken daran. so war das gesetz in deutschland und fuer die bundeswehr.

es gab eine vorschriftenstelle, die jedem soldaten zugaenglich war, oft auch notwendig in technischen belangen.
nicht nur fuer mich von bedeutung: ‘rechte und pflichten des untergebenen’ und vor allem: ‘rechte und pflichten des vorgesetzten’. wobei ich mich ‘natuerlich’ auf die pflichten des vorgesetzten und die rechte des untergebenen verharrte.
die rechte von vorgesetzten oder anderer authoritaeten haben mich schon seit dem kindergarten einen haufen scheiss interessiert.
ich weis nicht wie es heute ist. damals gab es mannigfache moeglichkeiten einen befehl, ohne disziplinare folgen, zu verweigern.
und wenn es ‘nur’ der befehl ist, einer gruppe von soldaten den kirchgang zu verweigern, um uebungsvorbereitungen vorzuziehen.
“befehlsverweigerung”

je nach prioritaet und auslegung, kann man einen befehl verweigern, wenn dieser, auf dem weg der ausuebung eines vorhergegangenen befehls, eintrifft.

ich kann einen befehl verweigern, wenn er offensichtlich unsinnig oder menschenunwuerdig ist, oder eine offensichtlich unkalkulierbare gefahr fuer meine ‘kameraden’ oder mich selbst darstellt.
und ich kann einen befehl verweigern, wenn mir gerade zum kotzen ist, und mich auf den weg zum san-bereich machen.
usw……………

dies sind alles recht undeffinierte aussagen von mir, aber im groben war/ist? es so.
klingt einfach..ist es nicht..kann es aber sein.
noch leben wir nicht in einem system, in dem wir eine kugel verpasst kriegen, nur weil wir mal dass maul aufreissen.
aber wir verhalten uns mehr und mehr als ob es so waere.
dies ist ein doppelter negativ-effect, da er von oben suggeriert und von unten praktiziert wird.

bin ich denn jetzt total verbloedet?
ich ziehe eher in den krieg, als ‘denen’ zu sagen, dass sie mich am arsch lecken koennen?? welche der beiden aktionen koennte wohl schwerwiegendere folgen fuer mich haben?….krieg vs arschlecken

und was waeren denn die konsequenzen fuer einen deutschen soldaten/piloten wenn er den kriegseinsatz, unter den gegebenen umstaenden aus gewissensgruenden oder den bekannten legalen faktoren oder einfach ‘mental’…menschlich…glauebig,..bla..bla.. verweigert?

ist es eine andere zeit wie zu meiner zeit?
haette mich, ende der 70er jemand ins gesicht in einen krieg befohlen, waere mir mit sicherheit heftig die hand ausgerutscht.
unbewusst berechtigt.

was fuer ne zeit ist ist denn im moment eigentlich?
ich sehe ja in amerika mehr ‘widerstand’ gegen einen ‘iran-krieg’, (den bush vehement “nicht mal in betracht zieht”), als in deutschland.
man ist sich nicht bewusst, dass wenn morgen ein marsianischer kutter im persischen golf mit ‘ich wars ahmadinejad’ konfetti in die luft fliegt, deutschland im krieg mit dem iran ist.
was alle ‘anderen’ tun sei mal dahin gestellt.

ja was fuer ne zeit ist denn? wirds wieder mal die “wieder mal zu spaet zeit”
jetzt, oder gestern oder morgen ist die beste zeit.
wann denn sonst?
wenn gerade jetzt watada, aktive, hochrangige ‘dessertations-unterstuetzung’ bekaeme, waere schon ne richtig positive hoelle los.
ich bin mir sicher, dass wenn in deutschland, zu genau diesem zeitpunkt, etwas in dieser richtung ‘passieren’ wuerde, es eine gewichtige bewegung ausloesen koennte.
warum passiert denn nichts. bin ich wirklich so naiv, oder sollte ich es einfach besser wissen?
ist da schon eine unterwuerfig-ignorierte, hoffnungslos/volle, gewohnt unnoetige angst zu verspueren?
unterschaetze ich den druck?

was fuer ein druck soll denn das sein?

ein druck gegen den protest, gegen eine ‘handvoll idioten’, die uns ein a-soziales, ueberwachtes, kulturell-religios-chaotisches, strassen-armee, kriegsgeiles paket verkaufen.
…………………okay………………..

aber selbst wenn man es schaffen wuerde die ‘narren’ kurz aufzuhalten und in die enge zu treiben, haben sie immer noch ein daerbes ass im aermel………den terror, den sie willkuerlich und durchaus angekuendigt installieren koennen.
nach dem laecherlichen, hochgespielten ‘bomben-koffer stueck’, hat allen voran ‘hirnrissig-schaueble’ den deal schon mal offiziell besiegelt.
“…keine frage mehr wo, sondern wann”….oder wo? und bisher hatten wir eigentlich nur glueck……etc…..

aber wenn wir uns nicht ‘bewegen’ , gehts auch ohne in den krieg.

Kommentar von Thomas am 17. Februar um 11:03 Uhr

@jacomo
Wie Du selbst schon richtig bemerkst, die Zeiten haben sich geändert Aber wenn Du Dich aufmerksam umsiehst fällt Dir sicher eines besonders auf, was sich vor allem geändert hat sind die Menschen.
Sie sind “einsamer”, egozentrischer geworden.
In den letzten hundert Jahren wurden sie kontinuierlich dahin gebracht sich selbst wichtiger zu nehmen als die Gesellschaft. Sie wurden und werden gegeneinander aufgehetzt, manipuliert und korrumpiert. Konkurrenzdenken bestimmt mittlerweile die Masse. Viele Menschen gehen für ihre Karriere über “Leichen” und verraten ihre Prinzipien und ihren Kollegen. Noch nie gab es so viele Singles wie heute. Mobbing ist in unserer Zeit an der Tagesordnung. Die Brutalität unter den Menschen nimmt stetig zu.
Noch nie hatten die Menschen soviel Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut wie heute. Ich glaube hier bei uns sogar mehr Angst davor als vor einem Krieg, solange er nicht im eigenen Land stattfindet.
Diese Angst wurde und wird von den Regierungen und Medien überall auf der Welt aus reinem Kalkühl geschürt und macht natürlich auch vor Armeeangehörigen nicht halt. Wenn man z.B. den Tornadopiloten nimmt, er kann aus seiner, möglicherweise durch diese Angst eingeschränkte Sicht gar keinen Befehl verweigern. Er verdient gut, hat eine gesicherte Existenz und ich gehe mal davon aus das er sein Job sehr gern macht. Er hat vielleicht Schulden, Familie, Auto und Urlaub. Er wüßte genau das seine Karriere und damit auch sein bisheriges Leben in Wohlstand beendet ist, sollte er wagen einen Befehl zu verweigern. Dabei wäre es egal ob er im Recht ist oder nicht. Sollte er also dennoch einen Befehl verweigern wollen, müßte im etwas anderes wichtiger sein als er selbst, denn an seinen möglichen Tod im Einsatz denkt er eh erst wenn es zu spät ist. Das Argument “wenn ich das nicht mache macht es jemand anderes” trifft zwar zu, dient in der Regel aber nur zur Rechtfertigung gegenüber anderen.
Sieh Dich um, für sehr viele Menschen gibt es mittlerweile nichts wichtigeres mehr als sich selbst. Das ist auch der Grund warum die Menschen heute erst auf die Strasse gehen würden wenn sie direkt und unmittelbar betroffen sind. Zusammenhalt in der Familie, oder generell unter den Menschen ist in Ländern wie Deutschland leider eher die Ausnahme. Kollektives Denken und Verhalten scheint mit dem Einzug des Wohlstandes auszusterben. Das es mal anders war sehen wir immer noch an “ärmeren” Ländern, oder an vielen Ausländerfamilien hier bei uns.
Menschen wie Watada sind im Moment wohl leider noch eine Ausnahme. Die Soldaten die ihm vielleicht gerne folgen würden fühlen sich alleingelassen mit der Entscheidung, sie haben Angst davor und vor den möglichen Folgen.
Der kollektive Gedanke ist auch ihnen abhanden gekommen und macht eine geschlossene Gemeinschaft unmöglich.
Sie bräuchten wohl sowas wie einen “Wortführer”, jemanden der ihnen die Entscheidung abnimmt, so jemand müßte idealerweise in der Öffentlichkeit stehen. Aber woher nehmen und nicht stehlen?

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