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Erste Ergebnisse: Ned Lamont gewinnt gegen Irakkrieg- und Israelunterstützer Joe Lieberman in Connecticut

In Amerika gibt es ein etwas kompliziertes System von Vorwahlen, in denen die beiden großen Parteien jeweils ihren Kandidaten für das Amt des Präsidenten bestimmen. Diese Vorwahlen nennen die Amerikaner “Primarys“.

Eine “Democratic Primary” wurde heute entschieden. Im Bundesstaat Connecticut traten der schon seit 26 Jahren einen Senatssitz innehabende Joe Lieberman und sein Herausforderer, der politische Neuling und Millionär Ned Lamont gegeneinander an. Der Sieger ist nach ersten Meldungen Lamont mit 52% der Stimmen.

Lieberman wurde vor Allem über seine nach wie vor ungebrochene Unterstützung und Propagierung des amerikanischen Desasters im Irak sowie über seine erwiesene Israelunterstützung definiert.
Lamont dagegen machte sich die Wut über den Krieg zu Nutze und sprach von “George Bushs fehlgeschlagener Außenpolitik”. Lieberman versuchte, auf sein angeblich “progressives” Wahlverhalten im Senat beim Thema Arbeitsmarkt und Umwelt hinzuweisen, aber vergebens. Das Thema Irak war das Wichtigste bei der Wahl, und es brach ihn letztendlich das Genick. Das sahen auch einige Wähler so:

Ein Wähler:
“Der Krieg ist das wichtigste Thema. Eigentlich ist Lieberman ein guter Mann, aber der War ist einfach das allerwichtigste Thema.”

Eine andere: (Dem Namen Paula Cohn nach vielleicht eine Jüdin, und damit Teil der jüdischen Bewegung gegen den Krieg und die unbedingte Israelunterstützung)
“Ich wähle tatsächlich gegen Joe Lieberman. Ich denke (der Krieg) ist eine Schande. Ich bin eine liberale Demokratin. Och fühle mich verüflichtet gegen Lieberman zu wählen. Lamont ist OK.”

Das ist auch bislang das einzige, was man über Lamont sagen kann. Der Neuling, der mit Kabelfernsehen reich geworden ist, ist natürlich politisch noch ein unbeschriebenes Blatt. Es wird sich zeigen, ob er (der im Wahlkampf erfolgreich die Blogger als wirksames Instrument für sich entdeckt hatte) hält was er verspricht und im Gegensatz zu Lieberman wieder eine Alternative zu den Republikanern darstellt.

Zwei Singe bleiben noch festzuhalten.
Erstens die Hoffnung, dass sich von jetzt an alle Wahlen und Vorwahlen in Amerika als Volksabstimmungen über den Irakkrieg sowie Abstrafungen für blinde Israelunterstützung entpuppen. Wie immer versuchen viele Politiker mit Alibithemen wie dem Singen der Nationalhymne an Schulen, der Homo-Ehe oder auch der Klimaerwärmung von dem “wichtigsten Thema” abzulenken.
Zweitens hat eine Zahl im Zusammenhang mit den Primaries in Connecticut mal wieder gezeigt wie demokratisch Amerikas Gesellschaft ist. Die Wahlbeteiligung lag bei niedrigen 40%, und anscheinend sei das noch viel für Primarys. Diese niedrige Wahlbeteiligung bedeutet entweder ignorante Bürger, oder aber gebildete Bürger die zu der Erkenntnis gelangt sind, dass ihre Wahl letztendlich an der politischen Realität nichts ändert und alle Kandidaten im Amt dann den Selben Mist bauen.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 9. August 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Hans am 9. August um 21:57 Uhr

Es ist egal wer gewählt wird. Sie sind fast alle Marionetten.

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