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Kissinger könnte in Uruguay für Operation Condor angeklagt werden

Vor einem Gericht in Uruguay wird gerade ein Fall verhandelt, bei dem es um die Tötung linker Aktivisten durch die Diktatur von 1973 bis 1985 geht. Der Anwalt der Opfer zitierte vor Gericht bereits geheime Dokumente des US-Außenministeriums und hat den Richter nun darum gebeten, die USA zur Auslieferung ihres ehemaligen Außenministers Henry Kissinger zu bewegen.

Laut dem Anwalt waren die südamerikanischen Diktatoren “nur einfache Ausführer” eines “Ausrottungsplans”, den US-Kreise um Kissinger formuliert hätten.

Die behandelten Verbrechen waren Teil der Operation Condor, über die die Wikipedia uns Folgendes erzählt:


“Unter dem Codenamen Operation Condor (auf spanisch: Operación Cóndor) operierten in den 70er und 80er Jahren die Sicherheitsdienste von sechs lateinamerikanischen Ländern – Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Brasilien – mit dem Ziel, linke politische und oppositionelle Kräfte weltweit zu verfolgen.

(…)

Rolle der USA und Frankreichs

Die Rolle der USA ihre Beteiligung der damaligen US-Regierung sowie ihrer Nachrichtendienste bei der Operation Condor ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. In den Jahren 2000 und 2001 veröffentlichte US-Geheimdienstdokumente [1] legen den Schluss nahe, dass das FBI und der amerikanischen Geheimdienst CIA von den Aktivitäten Kenntnis hatten, sie duldeten und sie logistisch und technisch unterstützten. Den Dokumenten zufolge lieferten sie technische Hilfsmittel und gaben Ausbildungskurse für die Agenten. Eine wichtige Rolle spielte dabei das militärische Ausbildungszentrum School of the Americas in der Kanalzone Panamas.

Bezeichnend ist auch, dass Frankreich Veteranen aus dem Algerienkrieg zur Verfügung stellte. Diese haben ihre Erfahrung mit in Algerien erprobten Foltermethoden ( siehe Französische Doktrin) weitergegeben.

Laut eines internen CIA-Untersuchungsberichts hielt die Behörde von 1974 bis 1977 enge Kontakte zum Leiter der Operation Condor, Manuel Contreras[2]. Die CIA bestätigte auch, zu mindestens einem Zeitpunkt Zahlungen an Contreras geleistet zu haben, die Summe wurde nicht veröffentlicht. Als Contreras 1976 wegen des Mordes an Orlando Letelier in Washington von einem US-Bundesschöffengericht (federal grand jury) angeklagt wurde, hatte die CIA diese Information zurückgehalten, sie kam erst im Jahr 2000 an die Öffentlichkeit.

Unter den im Jahr 2000 freigegebenen US-Dokumenten befand sich auch ein Telegramm [3] des damaligen US-Botschafters in Panama an den US-Außenminister aus dem Jahr 1978. Darin berichtet der Absender, dass eine US-Nachrichtenzentrale in Panama für den Informationsaustausch der Condor-Agenten diene. Er drückte die Befürchtung aus, dass das Bekanntwerden dieser Tatsache ein schlechtes Licht auf die Rolle von US-Behörden bei der Ermordung von Orlando Letelier werfen könnte, die zu dieser Zeit Gegenstand eines Strafprozesses in den USA war.

Vor allem dem US-Sicherheitsberater Henry Kissinger wird aufgrund von Dokumenten vorgeworfen, dass er während der Präsidentschaft von Richard Nixon die Aktion aktiv unterstützt habe, da er in den lateinamerikanischen Ländern eine marxistische Revolution fürchtete (Domino-Theorie) und die diktatorischen Machthaber als Verbündete der USA im Kampf gegen den Kommunismus ansah.”



DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 28. März 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Geschichte eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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