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Die Jugend verblödet vor dem Fernseher

Amerikas WeltbildDas Bild links zeigt ungefähr das Weltbild des durchschnittlichen jungen Amerikaners.

Amerikas National Geographic Society lies zum Jahreswechsel eine Studie über das Wissen von jungen Amerikanern durchführen. David Rutherford von der Society fasst das Ergebnis folgendermaßen zusammen: “Junge Amerikaner scheinen sich einfach nicht sehr für die Welt außerhalb Amerikas zu interessieren.”

Und in der Tat erwiesen sich die Befragten im Alter von 18 bis 24 Jahre einer Weltmacht alles andere als würdig.

Zunächst einmal wissen die jungen Amerikaner nicht sonderlich viel über Amerika selbst ?

Wer hätte gedacht, dass die Hälfte der Befragten die Landesmetropole New York nicht auf einer Karte finden konnten !

Eine andere Frage verlangte nach der groben Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten:

Die richtige Antwort, also zwischen 150 Mio. und 350 Mio. Menschen (wie gesagt, äußerst grob) wusste gerade mal ein Drittel der Befragten. Jeweils weitere 30% entschieden sich für “zwischen 500 Mio. und 750 Mio.” und die abwegisgste Antwort von allen, “zwischen 1 Milliarden und 2 Milliarden”.

Die eigene Bevölkerung um bis zu das siebenfache zu Überschätzen zeugt sowohl von Ignoranz als auch von einer extremen Überheblichkeit.
Diese Überheblichkeit, was das eigene Land und die eigene Kultur betrifft, zeigt sich auch in der nächsten Frage:

Als die weltweit am meisten gesprochene Sprache gaben unglaubliche 75% der Befragten ihre eigene Sprache Englisch an. Die richtige Antwort, chinesisch, wussten nur 18%.

Seit Wochen gibt es in den USA Diskussionen, was mit der Unmenge an illegalen Einwanderern aus Mexiko geschehen soll. Die Grenze der Vereinigten Staaten zu Mexiko ist löchrig wie ein Schweizer Käse, und trotzdem sind die jungen Amerikaner der Ansicht, dass ihr Land nach Süden ein uneinnehmbares Bollwerk errichtet hat:

30% gaben an, die am stärksten befestigte Grenze der Welt wäre die Grenze nach Mexico. Immerhin wussten diesmal 37%, dass es aber die Grenze zwischen Nord- und Südkorea ist, wo heute noch ein wenig Kalter Krieg-Atmosphäre herrscht.

Selbst über eines der nationalen Traumas von 2005, der Überflutung von New Orleans, wussten die jungen Amerikaner nicht gut Bescheid.
Die Frage, welche von 4 gegebenen Ursachen keine Rolle spielte bei der Katastrophe, konnte nur ein Drittel richtig beantworten.

Dass es bei Katastrophen in anderen Teilen der Welt, und mögen sie noch so verheerend sein, nicht besser aussieht, ist zu erwarten und zeigt eine Frage über das von einem Tsunami heimgesuchte Land Indonesien:
Trotz der pausenlose Bombardierung mit Berichten über Indonesien zu der Zeit des Tsunamis wusste nur ein Viertel der Befragten, dass es sich bei Indonesien um ein Land mit überwiegend muslimischer Bevölkerung handelt.

Während sie sich selber überschätzen, unterschätzen die jungen Amerikaner ihren größten Konkurrenten auf der Weltbühne: China. 45% der Befragten schätzten die Bevölkerung Chinas nur auf “das doppelte der USA”, wenigstens 39% wussten dass es aber das Vierfache ist.

Obwohl auch dieses Land zur Zeit vermehrt in den Schlagzeilen ist, wusste nur nicht einmal die Hälfte der Befragten, dass Sudan auf dem afrikanischen Kontinent liegt.

Wo wir bei anderen Ländern und Schlagzeilen sind, man sollte meinen der Irak sei für diese Amerikaner ein wichtiges Land. Die eigene Armee ist dort, viel mehr noch, die eigenen Freunde und vielleicht sogar man selbst. Die Befragten sind genau in dem Alter, wo sie zur Armee gehen oder zumindest Freunde in der Armee haben. Davon abgesehen, ist der Irak in den Nachrichten nicht zu übersehen.

Trotzdem können nur lächerliche 37% der Befreier des irakischen Volkes den Irak auf einer Karte finden !

Um die Ergebnisse der Umfrage abzuschließen, auch in Zukunft werden sich junge Amerikaner schwer tun, etwas über andere Länder zu erfahren.
Denn nur 60% können eine Fremdsprache fließend sprechen.

Wenn es um Wissen aus dem Unterhaltungsbereich geht, scheinen die ignoranten Amerikaner aber gut Bescheid zu wissen:

Die relative Mehrzahl (40%) der Befragten wusste, in welcher amerikanischen Großstadt das ursprüngliche CSI: Crime Scene Investigation spielte, nämlich in Las Vegas.

Mehrere Faktoren halte ich für die Gründe dieses breiten Unwissens und der Überheblichkeit.
Die von Kindheit an unausweichliche Indoktrinierung bezüglich Gods Own Country und die Anführer der freien Welt sorgen für eine Überheblichkeit und eine Art Diva-Bewusstsein. Wir müssen uns nicht um die anderen kümmern, seht her wir sind nämlich das tollste Land.

Der auf mittlerweile 34 Billionen $ Landesschulden und einem ungedeckten Dollar basierende Wohlstand und die konstante Zumüllung mit Werbung und Entertainment sorgen für falsche Bedürfnisse und falsche Prioritäten im Leben.

Das entscheidende ist der Horizont, und wenn der Horizont nicht über Fernsehen, Baseball schauen und Saufen hinausgeht, nützen auch die besten Bildungsanstrengungen nichts (nicht dass die in Amerika sonderlich angestrengt wären).

Aber wer bin ich, dass ich auf die Amerikaner mit dem Finger zeige ?
Auch in Deutschland wird es tendenziell nicht viel besser aussehen. Die oben beschriebenen Faktoren gelten in etwas abgeschwächter Form weitgehend auch in der Bundesrepublik.
Viele, mich früher nicht ausgenommen, haben beispielsweise Probleme damit, alle Bundesländer unserer Bundesrepublik korrekt aufzuzählen, geschweige denn auf der Karte zuzuordnen.

Oder unsere Bundeswehr schlägt sich in Afghanistan rum, ich bezweifle dennoch dass es eine überragende Mehrheit von uns jungen Erwachsenen auf einer Karte finden könnte.

Wer DSDS-Superstar ist, ob Ballack zu Arsenal wechselt, Kahn im Tor ist oder nicht, oder gegen wen Deutschland in den Gruppenspielen antritt - ja das wissen wir.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Samstag, den 6. Mai 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Gesellschaft eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Steve am 6. Mai um 15:46 Uhr

Hi,

ein schön zusammengefasster Artikel, auch
wenn das meiste ja so alt wie bekannt wie
nur Symptom der Postmoderne ist. Trotzdem
kann es nicht oft genug gesagt werden ;-)

Trotzdem eine Anmerkung:
> 34 Billionen $

Da wurde ich etwas stutzig: Ich
hatte ~10 im Kopf.
http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/us.html
sagt auch ~12 Billionen GDP und
~65% Staatsverschuldung, also eher
sogar weniger.

Hast du eine Quelle dazu?

Schönen Gruß, Steve

Kommentar von DaRockwilda am 6. Mai um 16:03 Uhr

Hallo Steve,

was du beschreibst ist die Staatsverschuldung. Vielleicht war mein Begriff unglücklich gewählt, aber mit LANDESverschuldung wollte ich ausdrücken, dass ich hier die Schulden sowohl des Staates, der Regierung, der Haushalte und der Firmen mit einbeziehe.

All diese Schulden belasten ja das Land im gleichen Maße wie die Staatsschulden.

Auf die Schnelle habe ich hier diese Seite, die diesen gesammelten Schuldenstand sogar mit 40 Billionen $ angibt:
http://www.financialsense.com/editorials/hodges/2005/0313.html

Ob es jetzt tatsächlich so viel ist oder weniger, vermag ich natürlich nicht mit Gewissheit zu sagen. Es steht aber außer Frage, dass auch die amerikanische Bevölkerung mit all ihren Hypotheken, auf Raten gezahlten Autos und heillos überzogenen Kreditkartenbilanzen sehr tief in der Schuldenfalle sitzt.

Die Staatsverschuldung allein blendet meiner Meinung nach zu viel von der (erschreckenden) Wahrheit aus.

Kommentar von Steve am 6. Mai um 16:15 Uhr

Hi DaRockwilda,

ah, OK, dann macht das Sinn, ja.
Obwohl man in solchen Statistiken einberechnen sollte, dass nur ein Teil dieser Schulden im Ausland anfällt, und der Inlandsanteil sich volkswirtschaftlich nix nimmt (des einen Schulden, des anderen Forderungen).

Du triffst wohl genau den Punkt - die “amerikanische Bevölkerung” hat die Schulden nicht schichtenneutral, sondern die Mittelschicht und die “working poor” bei denen, die’s haben. Das hat sozialen Sprengstoff.

Schönen Gruß, Steve

Kommentar von Danny Busch am 6. Mai um 22:42 Uhr

Hmmmm… ich hab seit über acht Jahren keinen Fernseher mehr. Zu Zeiten des Abiturs hat mich das natürlich bei gewissen Pausenhof-Gesprächen über die aktuellen Entwicklungen in einschlägigen Soap-Operas ein wenig isoliert, aber insgesamt bejahe ich diese Entscheidung jeden Tag aufs Neue ;-)

Lustig sind ja auch manchmal die CNN Geographie-Bilder, hier sind zwei berühmte Beispiele:
http://www.korrupted.info/CNN_Geography/CNN_Geography.jpg
http://www.schockwellenreiter.de/images5/cnn_image001.jpg

LG
Danny

Kommentar von DaRockwilda am 7. Mai um 21:01 Uhr

@Steve:

Auch in Deutschland sind diese “unsichtbaren” Schulden erheblich:

“Die ausgewiesene Staatsschuld ist jedoch gemessen an den versteckten Lasten etwa aus Pensions- und Rentenansprüchen vergleichsweise gering. Der Sachverständigenrat hatte vor einiger Zeit die hinzukommende implizite Staatsschuld auf etwa 270 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt.”
http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E7091EBC8CCEF47589174B11007E32105~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Und da sind jetzt die Bevölkerungs- und Wirtschaftsschulden noch nicht mal dabei.

Mit der Schichtenspezifischen Verschuldung hast du vollkommen Recht. Der gesamte militärisch-industrielle Komplex sowie die Banken florieren, mittelständische Betriebe die nicht nach Asien offshoren können gehen langsam aber sicher den Bach runter. Die Unterschicht sieht ihre ohnehin schon geringen Löhne durch die Flut an illegalen Einwanderern aus Mexiko weiter erodiert, und die Mittelschicht stürzt sich in ihrem vergeblichen Wunsch nach dem amerikanischen Klischeetraum (Suburbia) in eine Kredit- und Hypothekenfalle nach der Anderen.

@Danny:

Hehe die Bilder sind echt lustig, aber liegt der Fehler beim ersten Bild nicht viel mehr bei Google Earth ?

Kommentar von Danny Busch am 7. Mai um 21:02 Uhr

@DaRockwilda: Ich nehme an, dass CNN die Städte in das Satelittenbild eingebaut hat…

Kommentar von DaRockwilda am 8. Mai um 07:41 Uhr

Lol okay ja ich hab Google Earth noch nie benutzt weisch. Muhaha Idioten.

Hier ist noch eins:
http://www.cnn.com/HEALTH/9802/07/cadaver.art/germany.mannheim.lg.jpg

Klickbar durch diesen CNN Artikel:
http://www.cnn.com/HEALTH/9802/07/cadaver.art/

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