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Brown stolz auf Schirmherrschaft in rassistischer Organisation

Der neue britische Premierminister Gordon Brown hat wie die meisten Politiker noch Zeit für Nebenbeschäftigungen:
“Der Jewish National Fund UK, einer der wichtigsten jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen in Großbritannien, hat sich Gordon Brown als neuesten Schirmherr gesichert.
Der Premierminister nahm die Rolle an, nachdem die JNF UK-Präsidentin Gail Seal ihn eingeladen und zur Amtseinführung in London die besten Wünsche übermittelt hatte.

In einem Brief an Frau Seal antwortete Brown er würde sich ’sehr über ihre Glückwünsche freuen’ und er würde ‘ihr Angebot sehr gerne annehmen und Schirmherr des JNF UK werden’.

Ein Sprecher Browns sagte dem Jewish Chronicle: ‘Der Premierminister unterstützt mehrere Wohltätigkeitsorganisationen und hat dem Angebot zusgestimmt, um den JNF dabei zu unterstützen, jedem Bewohner Israels Gutes tun zu können’.

Brown ist dabei für den JNF UK der neueste prominente Schirmherr unter britischen Politikern, auch Tony Blair, Oppositionsführer David Cameron und Oberrabbiner Jonathan Sacks, der ein enger Freund von Brown zu sein scheint, betätigten sich schon in der Rolle.

JNF UK sammelt järhlich 15 Millionen britische Pfund an Spenden, mit denen ‘exklusive wohltätige Projekte in Israel’ gefördert werden sollen.”

Vielleicht hätte sich Brown vor dieser Entscheidung näher darüber informieren sollen, was mit den “exklusiven” Projekten gemeint ist, denn die sind eben doch nicht für “jeden Bewohner Israels”. So schreibt Richard Silverstein im Guardian:
Das ‘Recht’ auf Diskriminierung

Ein neues Gesetz in der Knesset wird die Diskriminerung der arabischen Einwohner Israels verstärken
“Jedes Kind, das jemals eine hebräische Schule besucht hatte, kannte die blaue Jewish National Fund (JNF)-’Pushke’ (Spendensammelbox), in die wir auf Anweisung unserer Eltern und Lehrer unser Kleingeld warfen. Unsere Eltern haben uns beigebracht, für die Errichtung der jüdischen Heimat zu spenden. So war der Jewish National Fund für uns der Rote Kreuz des Judentums, eine unterstützenserte Wohltätigkeitsorganisation, die nichts als Gutes vollbrachte.

Wie sich die Zeiten ändern!

Letzte Woche hat die Knesset (das israelische Parlament) auf Anhieb ein Gesetz verabschiedet, das es dem Jewish National Fund erlaubt, arabischen Israelis zu verkaufendes Land zu verweigern.

Der JNF ist eine semiöffentliche Organisation, die errichtet wurde um Land für die Ansiedlung von Juden in Israel zu erwerben. 1961 übergab die israelische Regierung 13% des Staatsgebiets an den JNF. Darin enthalten waren mehr als eine Million Dunam Land, welches Israel von arabischen Bewohnern beschlagnahmte, die 1948 aus dem Land geflohen waren.

Die Regierung überließ dem JNF das Land für einen Bruchteil des Preises, um sich von dem unlauteren Vorgehen zu distanzieren. Schon immer hatte der JNF sich geweigert, das Land an Araber weiter zu verkaufen. Doch der israelische Oberste Gerichtshof hatte dieses Verfahren in einem wegweisenden Urteil für unrechtmäßig erklärt. Der Oberste Gerichtshof war der Meinung, dass so eine Politik nicht vereinbar mit demokratischen Prinzipien sei und deshalb beendet werden müsse.

Das von der Knesset verabschiedete Gesetz ist ein Versuch, diesen Gerichtsentscheid zu umgehen. Denn die JNF dürfte dem Gesetz zu Folge auch weiter Arabern den Landkauf verwehren, während die restlichen 80% israelischen von der Israeli Land Authority verwalteten Landes von der Entscheidung des Gerichtshofs betroffen wären. Nach der ersten Lesung wurde der Gesetzesentwurf mit 64 zu 16 stimmen angenommen, wobei nur 10 der jüdischen Knesset-Abgeordneten mit Nein stimmten.

Dieses Gesetz bedeutet ein Absinken des zionistischen Projekts auf ein Niveau, wie es mit der Unabhängigkeitserklärung bei der Gründung Israels nie denkbar gewesen wäre (die Unabhängigkeitserklärung sieht einen Staat vor, der alle Einwohner aller Ethnien gleich behandelt). Denn obwohl der Jewish National Fund Land für Juden in der Diaspora gekauft hat, ist der Staate Israel seitdem nunmal errichtet, und die Ländereien müssen zum Wohle aller seiner Einwohner verwendet werden. Für jene die nicht an die Vergangenheit denken, sondern an die Zukunft, muss das Ziel der Aufbau eines Israels sein, das gesund und fortschrittlich ist und dessen Führer und Gesetzgeber sich um Einwohner aller Ethnien kümmern. Die Vorgehensweise das JNF verträgt sich nicht mit den Zielen des Staates Israel, und darf deshalb nicht im Einklang mit dem Gesetz die arabische Minderheit in Israel diskriminieren.

Das Argument, (das Land würde schon immer Juden gehören), ist aus zwei Gründen nicht stichhaltig. Zum Einen wurde der Großteil des im Besitz des JNF befindlichen Landes nicht von Juden gekauft, sondern in den Gründungsjahren des Staates durch die israelische Regierung von den abwesenden arabischen Bewohnern beschlagnahmt und an den JNF weitergegeben. Zum zweiten (…) werden arabische Siedlungen von Sicherheitszonen, jüdischen Siedlingen, Nationalparks und Schnellstraßen umgeben, so dass die Möglichkeit der Ausdehnung dieser arabischen Gebiete erschwert oder ganz verhindert wird.

Dieser legislative Versuch, der JNF das Recht auf Diskriminierung wieder zu verschaffen, kann als ein von der israelischen Rechten betriebene Anstrengung betrachtet werden, die zurückkehren will zu alten Verhältnissen, in denen Juden dominierten und es keinen Zweifel daran gab, dass die Araber in Israel Bürger zweiter Klasse waren. Ist es zu viel verlangt, dass eine Mehrheit der Knesset dies erkennt und diesen Versuch verhindert, jüdische Dominanz in das Gesetz eines Staates aufzunehmen, der sich sonst stolz eine Demokratie nennt?”

Sehr lesenswert auch einer der Kommentare auf der Guardian-Internetseite:
“Auf diese Weise erledigt die israelische Rechte die Arbeit für die Antizionisten. Wie könnte man das zionistische Projekt besser delegitimieren? Wie soll es sich so gegenüber Anschuldigungen des Rassismus verteidigen? Die ganze Sache führt einmal mehr zu diesem Schluss: Die israelische Rechte ist eine antizionistische Bewegung, weil sie unabsichtlicht das wichtigste Gut zerstört, über das Israel verfügt: Seine Legitimität.”

Ob Brown seine Schirmherrschaft über eine offensichtlich rassistisch agierenden Organisation zurückzieht? Ob andere europäische Staaten sich von diesem Gesetz ebenso vehement distanzieren werden, wie sie sich von einem hypothetischen Gesetz distanzieren würden, das deutschstämmigen Bewohnern des Elsass dort Landkauf verbieten würde?

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Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 2. August 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Heinz am 2. August um 10:26 Uhr

Was ist eigentlich mit den Ländereien der 1948 aus den arabischen Staaten vertriebenen Juden passiert?

Wie sieht es eigentlich aus, wenn ein in einem beliebigen arabischen Staat lebender Jude dort Land erwerben will?

Wie? Dort leben seit 1948 aber keine Juden mehr? Ach so…

Den einen Rassismus zu verurteilen ist das eine, den anderen auszublenden das andere.

Kommentar von lakerz am 2. August um 10:55 Uhr

Hier liest man doch alles gern um Israel schlecht zu reden und alle Araber heilig zu sprechen…

Natürlich ist ein Gesetz dieser Art nicht unterstützenswert - wie das hier aber aufgezogen wird ist einfach nur noch haarsträubend (siehe Überschrift).

Kommentar von Lara am 2. August um 10:56 Uhr

Was für Vertreibungen meinst du denn? Meines Wissens nach sind die allermeisten der arabischen Juden nicht vertrieben worden und können auch problemlos zurückkehren, wenn sie das wollen.

Sie wollen aber nicht - genauso wenig wie ihre Regierung will, dass sie in ihre Herkunftsländer emigrieren. Was soll also deine scheinheilige Frage?

Kommentar von DaRockwilda am 2. August um 12:03 Uhr

Hm mehr habt ihr nicht zu bieten?

“ist einfach nur noch haarsträubend (siehe Überschrift)”

Was soll an der Überschrift haarsträubend sein?

“Wie sieht es eigentlich aus, wenn ein in einem beliebigen arabischen Staat lebender Jude dort Land erwerben will?”

Ja wie sieht es da aus? Ich hab noch keine Beschwerden gehört. Liegt nunmal in der Natur der Sache, es gibt halt keinen “Arab National Fund”.

Ist zwar nicht arabisch, aber beispielsweise die jüdische Gemeinde in Teheran zieht es vor auch dort zu bleiben, trotz all der Propaganda von israelischer Seite.

Kommentar von LuckyLuke am 2. August um 18:07 Uhr

Jaja wird mal das goldene Kalb kritisiert sind die Pharisäer auch nicht weit.
Gleich drei davon oben direkt nach dem Beitrag.
Alle Menschen und Nationen sind vor dem Völkerrecht gleich, andere sind gleicher.
Da fällt mir ein, wenn Land xy mal aus der Reihe tanzt dann verabschiedet die UNO gleich einstimmig Resulotionen die der Weltgendarm USA militärisch durzusetzen versucht.

Hausaufgabe : Wieviele Resulotionen hat die UNO in den vergangenen 60 Jahren verabschiedet, die die Politik des Staates Israel verurteilt haben???

2. Frage : Wer hat auch nur versucht diese durchzusetzen???
3. Frage : Warum hat die Weltgemeinschaft Druck auf Südafrika geübt wegen der apartheit und verfährt bei Israel nicht auch so??? Frage 4 - 100………

Kommentar von Lara am 3. August um 08:15 Uhr

@Rock: Etwas off topic, aber die iranischen Juden wollen sich nicht mal für über 60.000,- von Israel nach Israel locken lassen:

Israel Seeks To Encourage Iran’s Jews To Immigrate
“Text of report by web version of Israeli newspaper Ma’ariv on 8 July

[Report by Eli Bradenstein: “Israel to Iranian Jews: Immigration At Any Price”]

Israel is trying to find new ways of encouraging immigration from Iran in the wake of a lack of desire on the part of thousands of Iranian Jews to leave. In order to do this, an expatriate group of Iranian Jewish donors, which is behind a special fund to encourage aliyah from the land of the ayatollahs, is now offering approximately $60,000 to every Jewish family that makes comes to Israel, which will be in addition to the regular absorption basket.

Only a few months ago, the fund decided to grant an incentive of $5,000 to every new immigrant, but this did not persuade Iranian Jews, many of whom are comfortably off, to leave.

The fund has now decided to double the sum for every new immigrant, and to offer $10,000 in the hope that it will persuade Iranian Jews to come to Israel. […]”
http://www.cjp.org/page.html?ArticleID=148952

Iran’s Jews reject cash offer to move to Israel | Iran | Guardian Unlimited
“Iran’s Jews spurn cash lure to emigrate to Israel

Robert Tait in Tehran
Friday July 13, 2020
The Guardian

Iran’s Jews have given the country a loyalty pledge in the face of cash offers aimed at encouraging them to move to Israel, the arch-enemy of its Islamic rulers.

The incentives - ranging from £5,000 a person to £30,000 for families - were offered from a special fund established by wealthy expatriate Jews in an effort to prompt a mass migration to Israel among Iran’s 25,000-strong Jewish community. The offers were made with Israel’s official blessing and were additional to the usual state packages it provides to Jews emigrating from the diaspora.

Article continues
However, the Society of Iranian Jews dismissed them as “immature political enticements” and said their national identity was not for sale.

“The identity of Iranian Jews is not tradable for any amount of money,” the society said in a statement. “Iranian Jews are among the most ancient Iranians. Iran’s Jews love their Iranian identity and their culture, so threats and this immature political enticement will not achieve their aim of wiping out the identity of Iranian Jews.” “
http://www.guardian.co.uk/iran/story/0,,2125486,00.html?gusrc=rss&feed=12

Und in 20 Jahren werden die gleichen Leute, die jetzt von den arabischen Vertreibungen reden, von dem bösen Ahmadinedschad erzählen, der damals die iranischen Juden vertrieben hat und dessen Nachfolger sich weigert, sie zurückkommen zu lassen und sie nicht für ihren verlorenen Grundbesitz entschädigen. Und dann werden sie das Rechtfertigung dafür, dass sie die Palästinenser nicht für ihre Verluste entschädigen, benutzen.

Grüße!

Kommentar von hallo am 3. August um 10:24 Uhr

@Lakerz

Der Islamo Faschismus scheint hier tatsächlich etwas blauäugig gesehen bzw ausgeblendet zu werden- so mein erster Eindruck.

Wo gibts denn ausgeglichen Foren, die nicht so mainstreamgläubig sind? haben Sie Tips? Hab leider nicht soviel kohle, das ganze net zu durchsuchen?

Kommentar von DaRockwilda am 3. August um 15:33 Uhr

@Lara:

Thx. Und muss nochmal gesagt werden, die Haltung der iranischen Juden ist wirklich nur zu unterstützen. Dass sie sich nicht von der PR vereinnahmen lassen. Sollte überall so sein.

@”Hallo”:

Islamofaschismus, da fängts schon an. Dämliches Wort. Dann müsste es ja in den jeweils totalitärsten Ströumungen auch einen Judeofaschismus und einen Christofaschismus oder sowas geben.

Terrorist bleibt Terrorist, da muss man nicht noch sowas dazuerfinden.

Kommentar von hallo am 4. August um 14:48 Uhr

Sämtliche “Grundbücher” dieser Religionen kollidieren ja auch dementsprechend ordentlich mit dem GG und den Menschenrechten.

Da hat jeder Dreck am Stecke. Bin nur der meinung, dass man den Dreck aller beteiligten seiten thematisieren sollte.

Kommentar von DaRockwilda am 4. August um 19:24 Uhr

“There is an interesting problem with selling the “Iran as Nazi Germany” line. If Ahmadinejad really is Hitler, ready to commit genocide against Israel’s Jews as soon as he can get his hands on a nuclear weapon, why are some 25,000 Jews living peacefully in Iran and more than reluctant to leave despite repeated enticements from Israel and American Jews?”

http://www.antiwar.com/orig/cook.php?articleid=11394

Kommentar von Constantin am 6. August um 00:51 Uhr

@hallo:

Mit Foren ist das ja leider so eine Sache. Mit steigenden Besucherzahlen, kommt leider unabdingbar der Mainstream. Das liegt ganz einfach an der Masse der Menschen und somit Meinungen.

Meiner Erfahrung nach kann man da leider wenig machen.

Einen schönen Abend noch.

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