Politblog.net
 

Foltern ? Wir ? Bestimmt nicht !

abughraib.jpg

Jeder kennt die zahllosen Bilder von Abu Ghraib und Guantanamo. Amerika foltert, das ist kein Geheimnis mehr. In Amerika selber wird immernoch versucht, diese Tatsache aus dem öffentlichen Leben auszublenden. Ob das von Fall zu Fall geschieht, weil man den Führer im Weißen Haus nicht vergrätzen will, oder weil man sich nicht eingestehen will dass man als Nation schon so verkommen ist - es wird verdrängt.

“The Road To Guantanamo” ist ein amerikanischer Fernsehfilm über drei Engländer die zwei Jahre lang in Guantanamo gefangen waren, bis sie schließlich ohne jegliche Anklage wieder freigelassen wurden.

Das Werbeposter für den Film sollte ursprünglich einen Gefangenen zeigen, der einen schwarzen Sack über dem Kopf hat, ähnlich wie bei dem Bild oben. Diese (korrekte) Darstellung Gefangener Amerikas war der für Altersfreigaben zuständigen MPAA aber ein Dorn im Auge, und das Poster musste geändert werden:

“Es war der Kopf im (schwarzen) Leinensack, der es für (die MPAA) zu weit trieb. Es ist unglaublich, dass sie dieses Poster nicht akzeptieren. Sie sagen praktisch, dass Kinder in Amerika nicht sehen sollen, was wir mit den Gefangenen in Guantanamo machen”.

Das würde den Kindern ihre in der Schule eingetricherte Legende von Gods Own Country auch gehörig erschüttern.

Eine anderer Film, “Baghdad ER (Emergency Room)”, ist eine Dokumentation über ein amerikanisches Militärkrankenhaus in Baghdad.
Das Pentagon verlangt jetzt vor der Veröffentlichung noch Änderungen an den Szenen des Films. Der oberste Militärarzt der USA im Irak, Lieutenant General Kevin Kiley, warnte vor dem Film. Er könne “post traumatic stress disorder” auslösen, die Bezeichnung für das Trauma, dass viele Soldaten aus dem Kampf davontragen.

Wenn der Armee wirklich an der psychischen Unversehrtheit der Soldaten liegen würde, hätte sie diese einfach von Beginn an nicht in einen mit Lügen begründeten Angriffskrieg beordert.

Viel mehr macht der Armee sorgen, dass der Film auf schockierend realistische Weise zeigt, in wieviele Einzelteile es den menschlichen Körper zerfetzen kann. Und das macht sich nicht gut bei den unzähligen Jugendlichen daheim, die man für die Streitkräfte anwerben will.

Aber nicht nur im Unterhaltungsbereich wird Folter und Krieg ausgeblendet, auch in der Justiz.

Richter T.S. Ellis vom U.S. District Court Virginia ließ die Klage des von der CIA verschleppten Deutschen El-Masri nicht einmal zur Verhandlung zu:

“Mr. El-Masris private Interessen müssen nationalen Interessen weichen, wenn es darum geht, Staatsgeheimnisse zu beschützen”.

Was dem Richter entgeht, ist dass es hier nicht um “Privatinteressen geht”. Hier geht es um das Völkerrecht. Hier geht es darum, dass der eigene Geheimdienst Menschen kidnappt und um die halbe Welt fliegt um sie irgendwo zu foltern. Auch Hitler hat lieber “Staatsgeheimnisse” geschützt anstaat sich von all den KZ-Häftlingen verklagen zu lassen, und wir wissen was dabei rausgekommen ist.

Dass Kanzlerin Merkel sich einen feuchten Dreck um die Sicherheit ihrer Bürger schert, und Condoleeza Rice deren Abwiegelungen durchgehen lässt, spricht für die Prioritäten der Kanzlerin.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 19. Mai 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
Tags: , , , ,

Kommentar von Steve am 19. Mai um 22:56 Uhr

Auch Hitler hat

Ich weiß nicht, ob du Godwins Law kennst, scheinbar nicht. Es besagt, dass derjenige, der zuerst einen Nazivergleich zieht, automatisch die Diskussion verloren habe, und hat sich im Usenet lange Jahre bewährt.

Hitler hat auch Bohnen gegessen und es ist trotzdem nicht verwerflich. Die Sache hier ist schlecht, ja: Aber begründe sie als schlecht wegen ihrer selbst und ziehe nicht den Hitlervergleich, da stellen nämlich ziemlich viele Menschen auf Durchzug.

Schönen Gruß, Steve

Kommentar von DaRockwilda am 19. Mai um 23:11 Uhr

Nope Godwins Law kannte ich bislang noch nicht. War auch noch nie im Usenet.

Ich versuche mal zu erklären, warum ich Hitler manchmal erwähne.

Zunächst einmal ist es nie ein Vergleich bezüglich der Gesamtsituation. Es geht um einzelne Dinge, die sich in ihrer Gesamtheit zu einem Ganzen fügen können.

Ich habe ein Problem damit, dass das Dritte Reich als etwas propagiert wird, das einzigartig Böse war. Dämonisierung im sprichwörtlichen Sinne. Dabei gibt es all die Schrecknisse des Dritten Reichs immer noch. Man sollte meinen, seit dem WW2 hätte jeder Mensch gelernt, dass man Minderheiten nicht einfach “loswerden” kann. Und trotzdem sind 40% der Israelis eben dieser Auffassung.

Ich will zeigen, dass es immernoch Leute gibt, die auf eine Gersellschaft wir die unter Hitler zuarbeiten, und dass man diese Tendenzen stoppen muss, völlig egal ob sie in Deutschland auftreten oder in einem anderen Land der Erde.

Ich weiß nicht warum sich Godwins Law “bewährt”, jedenfalls ist der Vergleich “GeStaPo hat Menschen grundlos überwacht - NSA tut es auch” oder “Deutsche wollten Juden loswerden - Israelis wollen Araber loswerden” Fakt. Ich weiß nicht warum mich das disqualifizieren sollte.

Kommentar von DaRockwilda am 19. Mai um 23:14 Uhr

Ich habe noch was vergessen. Es ist im Grunde wurschd, welches Regime man als Beispiel herrannimmt. Ob Hitler, Stalin oder Mao. Der Punkt ist, dass solch ein Geschwafel wie von der nationalen Sicherheit erst benutzt wird, wenn man genau weiß dass man menschen- und völkerrechtlich im Unrecht ist. Der Punkt ist, dass “die nationale Sicherheit beschützen” noch nie zu irgendwas Positivem geführt hätte wenns um Folter geht.

Kommentar von Steve am 19. Mai um 23:34 Uhr

Du hast in den Fakten sicherlich recht. Es geht bei den Hitlervergleichen aber um das denkbar irrationalste der Welt: Kommunikationsnormen.

Und die meisten Menschen verwenden Hitler als die Ultima Ratio der Kommunikation: Hitler das ultimative Böse. Es ist falsch, aber es ist nun mal so, wie so viele Aspekte von Sprache. Wenn du also einen Text schreibst, dann ist es ebenso wirksam, eine kreative Regimewahl (Irak, Nordkorea, China) mit heutigen Parallelen zu nehmen oder mit Geschichtswissen zu prollen, aber wie gesagt, das H-Wort kommt für die meisten Menschen nicht als das rüber, was du eigentlich gemeint hast.

Dass das konkrete Regime egal ist, ist vollkommen richtig, und das macht die Konvention um so einfacher einhaltbar.

Zu deinem sachlichen Punkt habe ich ja gar nix zu sagen, sonst würde ich das auch schreiben, ich wollte dir nur einen verbesserfungsfähigen Punkt im Stil aufzeigen ;-).

Schönen Gruß, Steve

Kommentar von Danny Busch am 20. Mai um 03:06 Uhr

No Comment:
http://nata2.info/?path=war%2FAbu_Ghraib_atrocity

Kommentar von DaRockwilda am 21. Mai um 15:05 Uhr

Also zuallererst, bin ich dankbar für jedwede konstruktive Kritik, man muss sich schließlich immer nach oben orientieren :-)

Ich versuche es nochmal anders zu formulieren:

Wie du schreibst “die meisten Menschen verwenden Hitler als die Ultima Ratio der Kommunikation: Hitler das ultimative Böse”.

Zu Hitler hat aber auch eine Gesellschaft gehört, die sich beherrschen lies. Zu jeder Diktatur gehört nicht nur der Diktator sondern manchmal eben auch ein ängstliches Volk.

Indem ich versuche aufzuzeigen, dass es heute noch Dinge gibt die unter Hitler nicht anders waren, will ich auch zeigen dass die Gesellschaft auch noch teilweise so fehlerbehaftet ist. Es geht vielleicht weniger um den Vergleich Bush-Hitler als um die Masse der Leute die sich anscheind an der Folter nicht sonderlich stört.

Und damit will ich dem Denken entgegenwirken, Hitler sei das ultimativ Böse gewesen. Wenn die Gesellschaft sich nicht ändert kann jederzeit ein neuer Diktator diese Passivität ausnutzen. Wir sind nicht davor gefeit.

Kommentar von linx am 21. Mai um 17:48 Uhr

Du stellst es so dar, als stimmtest Du stillschweigend zu, dass Staatsgeheimnisse, also Staatsinteressen, über Privatinteressen stehen.

Das mag in Amerika vielleicht der Fall sein, hier ist es nicht so (wie gerade mal wieder dieser Fall mit den Geheimdiensten vs. Presse zeigt).

Kommentar von DaRockwilda am 21. Mai um 18:37 Uhr

@Linx:

Huch wie kommst du darauf dass ich dieser Ordnung der Interessen zustimme ?

Auch hier stehen die obskuren “Staatsinteressen” über den Privatinteressen, das zeigt doch eben der Fall El-Masri ! Wenn es hier denn anders wäre, warum macht denn dann Merkel nicht Stunk ob der Nichtzulassung der Klage ?

Eigenen Kommentar verfassen: